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Nach(t)gedanken

Nach einem Tag Ruhe bei Mario und einer Nacht mit vielen schlaflosen Stunden - vermutlich hat mir die Bewegung gefehlt - passt es ganz gut, ein erstes Mal auf die Reise zurück zu schauen.

Wir waren in einem Land unterwegs, das ich - ausser 2 kurzen Hausboottouren mit Beate - nicht kannte. In einer Region, die immer auf Beates Wunschliste stand, aber nicht auf meiner. Leider haben wir es - vielleicht auch deshalb - immer aufgeschoben und nun nicht mehr gemeinsam erlebt. Doch Beate war in unseren Herzen auf der gesamten Tour und insbesondere bei den Schlössern an der Loire immer mit dabei. Ich habe es gespürt. Ich habe sie auf dieser Reise zum ersten Mal im Traum bildhaft wieder vor mir gesehen.

Wir haben ein Land, haben verschiedene Regionen kennen und lieben gelernt - die raue Atlantikküste in der südlichen Bretagne, das weite Tal der Loire mit seiner Vielzahl von Schlössern, Das enge Tal des Doubs mit seiner landschaftlichen Schönheit, das Elsass ...

Ein Land mit einer fantastischen Küche und mit tollen, hilfsbereiten Menschen. Auch wenn wir zu dritt als eigene kleine Gruppe sicher nicht so viel Kontakt zu den Menschen hatten, wie ein Alleinreisender.

Und so bin ich sehr dankbar, dass ich die Inspiration bekommen habe, Beates Traum auf diese Weise umzusetzen.

Wir waren durchweg auf gut ausgebauten und gut ausgeschilderten Radwegen und ruhigen Nebenstrassen unterwegs. Stärker befahrene Hauptstrassen hatten wir immer nur ganz kurz, wenn wir auf den Brücken die Loire oder den Doubs überqueren mussten. Die Autofahrer waren fast alle sehr rücksichtsvoll, haben uns mit grossem Abstand überholt und angehalten um uns über die Strasse zu lassen, wenn der Radweg diese kreuzte. Selbst die Durchfahrten durch Grosstädte waren gefahrlos möglich. Ich habe mich auf der gesamten Reise in Frankreich nicht einmal unsicher oder gefährdet gefühlt. In Deutschland oder auch schon in Basel ist und war das leider anders.

Die Campingplätze waren - vor allem entlang der Loire - auf Radreisende eingestellt. Auf vielen Plätzen gab es Gemeinschaftsräume oder Zelte mit Kühlschrank, Mikrowelle, teilweise Kochplatten oder Herden und sogar Geschirr. Und fast immer auch ausreichend Steckdosen um Handy oder Kamera wieder aufzuladen.

Bezahlt haben wir fast überall zwischen 20 und 22 Euro pro Nacht - für uns drei zusammen. Duschen war überall inklusive. Das es in Frankreich oft keine Toilettenbrillen gibt war anfangs ungewohnt, aber nie ein Problem da die Toiletten ja trotzdem sauber waren.

Wir hatten alle drei ein wenig französisch gelernt. Mir hat dabei das ganz gezielte Lernen von Sätzen und Fragen zu unserer Reise sehr geholfen - Danke Karin für die Zeit, die Du Dir mit mir genommen hast und vor allem auch für die Tipps und Übungen zur Aussprache. So konnten wir immer auf französisch sagen, was wir möchten, auf dem Campingplatz, bim Einkaufen, im Restaurant. Ok, den dann folgenden Redeschwall in Französisch als Antwort haben wir nicht verstanden. Da half aber immer die Bitte, auf Englisch zu antworten. Die Aussage, dass die Menschen in Frankreich nur französisch sprechen wollen, kann ich in unserem Fall nicht bestätigen. Da kam selbst auf dem Campingplatz für ein freundliches Bon nuit ein Gute Nacht zurück.

Wettertechnisch können wir uns wieder einmal überhaupt nicht beschweren. Denn bis auf den Tag in Chambord, an dem wir rund 10km in Regenkleidung fahren mussten, war das Wetter immer schön und temperaturmässig bis auf die letzten Tage ideales Radelwetter.

Bleibt die Dynamik in der Gruppe. Wir kannten uns. Ich war sowohl mit Mario als auch mit Christine schon mehrfach unterwegs und glaubte zu wissen, worauf ich mich einlasse. Aber es war nicht immer einfach und wir mussten uns zusammenraufen. Denn wenn einer ständig denkt, zu wissen, was ich gerade möchte oder denke. Wenn einer glaubt mich zu kennen, obwohl gerade das letzte Jahr gezeigt hat, dass das Gegenteil der Fall ist. Wenn einer ständig ungefragt Hilfe anbietet ... Da braucht es dann manchmal nicht viel um zu explodieren.

Ich habe gebetet und der Herr hat mir geholfen und die Kraft gegeben, dass wir diese Reise gemeinsam in Harmonie erleben dürfen. Auch wenn teilweise eine gewisse Anspannung da war. Die Blicke von Christine haben es mir bestätigt.

Auf jeden Fall aber, habe ich ein Land kennen und lieben gelernt, was ich sicher nicht zum letzten Mal besucht habe.

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Kommentare: 4
  • #1

    Ulli F. (Freitag, 20 Juni 2025)

    Lieber Max, irgendwie war Dein Blog (zumindest für mich) „auf der Strecke geblieben „….Aber Ihr nicht. Sehr beruhigend wieder von Dir zu lesen. Heil angekommen. Blog geschlossen?
    Deshalb kannst Du meine Frage vielleicht gar nicht mehr beantworten. Wenn ich spaziere grüßen mich manchmal Radfahrer, manchmal nicht. Motorradfahrer grüssen sich. Wie halten es die Radler?

  • #2

    Max (Montag, 23 Juni 2025 22:49)

    Lieber Ulli
    Die Reiseradler, also die mit viel Gepäck unterwegs sind, grüssen sich alle untereinander. Bei den Tagesausflüglern mit wenig Gepäck ist das nicht immer so.

  • #3

    Ulli F. (Dienstag, 24 Juni 2025 22:51)

    Danke Max, Die Elektroradler haben dazu auch gar keine Zeit, sie sehen nur auf die Piste.

    Max seid ihr die EuroVelo- Route 6, die vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer geht, gefahren? Dann hättet ihr ja noch - wie haben wir in der Schule gesungen? - ein Ziel vor den Augen…

  • #4

    Max (Donnerstag, 26 Juni 2025 13:38)

    Eurovelo 6 ja, aber nur bis Basel. Mehr war in 3 Wochen nicht machbar