Irgendetwas stimmt dieses Jahr nicht mit meiner Planung. Entweder habe ich mich bei der Planung völlig verrechnet oder die Kilometerangaben in der Karte stimmen nicht. Denn mein Kilometerzähler läuft über GPS, das sollte ja stimmen. Doch der Reihe nach.
Die Nacht auf dem Fischereihof Schneider in Kuhbrücke war trocken und sternenklar und dementsprechend frisch. So war ich sehr dankbar über die „geborgte“ Wolldecke. So habe ich aber kuschlig warm in meinem Zelt geschlafen, bis kurz vor halb 8. Brötchen hatten wir uns gestern im Aldi besorgt und so gab es ein leckeres Frühstück auf dem Campingplatz in der Sonne. Und, obwohl es in der Nacht so frisch war, hatte die Morgensonne unsere Zelte getrocknet, so dass wir sie trocken einpacken konnten.
Der Weg führte uns heute durch den Oderbruch und da war – kulinarisch gesehen - nicht viel in der Karte eingezeichnet. Und deshalb hatten wir uns zur Sicherheit noch jeder ein Fischbrötchen als Wegzehrung bestellt. Denn Hunger wollten wir auf der doch recht langen Etappe nach Schwedt vermeiden. Zumal der Weg – dem Lauf der Oder folgend – zunächst in Richtung Nordwesten oder gar Westen führte. Und das hiess gegen den Wind, der immer noch aus Westen oder Südwesten bliess. Nicht mehr so stark wir an den letzten beiden Tagen, aber doch spürbar. So radelten wir los, mal hinter Deich, mal auf dem Deich. Die Landschaft traumhaft schön, weite Ebenen, Felder, Wiesen, Weiden, ab und an ein Gehöft oder in der Ferne ein Dörfchen. Der ideale Ort um zur Ruhe zu kommen.
Auf Radreisen und gerade auf Fernradwegen trifft man ja oft immer wieder die gleichen Menschen. So ging es uns auch heute. Wir waren mit die letzten, die gegen 09:40 auf dem Fischereihof starteten. Die erste Gruppe überholten wir nach einer Stunde an einem Gasthaus. Da sassen die beim ersten Bier. Ich wüsste nicht, wie ich danach weiter radeln sollte. Das Bier geht bei mir direkt in die Beine. Die nächsten überholten wir unterwegs. Dann überholte uns die erste Gruppe wieder – ok mit E-Bikes war das sicher einfacher beim Gegenwind. Wir trafen sie dann nach 40km zur Mittagsrast wieder. Ein kleiner Imbiss am Wegesrand war geöffnet. Schon von weitem erkennbar an einer grossen Menge Fahrrädern, die davor standen. Auch für uns war es Zeit für eine Pause. Und bei Bockwurst und Kartoffelsalat und einem leckeren Eis als Dessert blieben die Fischbrötchen erst mal in der Tasche. Gut so. Noch weitere gut 10km gegen den Wind lagen vor uns. Und dabei haben wir durch die Begradigung der Oder durch den Preussischen König sogar noch etliche Kilometer gespart.
In Neuglietzen wendet sich dann die Oder – und damit auch der Radweg – nach Norden und Nordosten. Somit kam der Wind nicht mehr so stark von vorn, was zu spürbar leichterem fahren führte. Ab Hohensaaten folgten wir dann der Hohensaaten-Friedrichstaler Wasserstrasse, einem Kanal, der parallel zur Oder führt in Richtung Schwedt. Nach gut 60km waren dann, bei der nächsten längeren Pause unsere Fischbrötchen fällig. Ganz egal, ob da gerade Kaffeezeit war. So gestärkt schafften wir auch die letzten Kilometer bis Schwedt. Dazu kam, dass der Wind schwächer wurde und tendenziell von hinten kam. So war es ein leichtes pedalen ohne grosse Kraftanstrengung. Trotzdem waren wir froh, nach 90km endlich den Campingplatz hier in Schwedt erreicht zu haben. Ein wirklich schöner Platz. Als wir dann beim Kochen unseres Abendessens waren, kam eine Mitarbeiterin des Platzes vorbei und sagte uns, dass wir uns am Hochbeet mit Salat und Kräutern und auch an den Früchten überall auf dem Platz bedienen sollen. Das wäre ein – neues Wort gelernt – Naschcampingplatz.
Satt und zufrieden und die Wäsche im Trockner werden wir jetzt noch hören, was Theodor Fontane vor 150 Jahren zu unserer morgigen Etappe zu sagen hatte. Und dann fallen wir sicher in unsere Schnarchtüten.
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