Der heutige Tag hatte alles zu bieten. Rückenwind und Gegenwind, Sonne und Regen, Hungerast und leckeres Essen, zu wenig Luft auf dem Reifen, Begegnungen und Abschiede …
Doch der Reihe nach. Der Tag begann mit einem guten Frühstück vor unserer Hütte im Gasthof Sacro. Wir hatten wieder wunderbar geschnar … äh schlafen. Und wir sind mittlerweile eingespielt, was die Morgenabläufe angeht. Wir sind heute nur eine halbe Stunde früher aufgestanden als am Donnerstag in Zittau, waren aber eineinhalb Stunden früher abreisefertig – bei gleicher Ausgangslage wohlgemerkt – Hütte und Frühstück selbst gemacht. Super.
Der Wind blies heute recht kräftig aus Südwest. Das spürten wir, als wir losfuhren und erst mal westwärts zurück zum Neisseradweg wollten. Dann aber - der Weg führte meistens in Richtung Norden oder gar Nordosten – trieb er uns vor sich her. In Griessen bogen wir kurzzeitig vom Weg aber, strampelten nach oben ins Dorf und fuhren zu einem Aussichtspunkt über den ehemaligen Tagebau Jänschwalde. Braunkohle wird hier wohl nicht mehr abgebaut – zumindest nicht in dem für uns sichtbaren Bereich. Denn das Kraftwerk am Horizont war in Betrieb. Die Schornsteine rauchten, d.h. es wurde Braunkohle verbrannt um Strom zu erzeugen …
Der geplante Weg zurück zum Radweg war von einem umgefallenen Baum versperrt. Zum Glück informierte uns ein Autofahrer, so dass wir nicht den ganzen Weg umsonst gefahren sind. Also so zurück wie gekommen. Immer am Neisseufer entlang radelten wir hinein nach Guben. Hier wollte ich – nach gut 20km eine Pause für das zweite Frühstück einlegen. Doch sonntags um 11 in Guben … Fehlanzeige. Alles hatte zu. So gab es an einer Bushaltestelle vor dem Planetarium nur für jeden ein Wienerli, Müsliriegel und Nüsse.
Das Wetter meinte es bis dahin gut mit uns. Die gemeldeten Regenschauer waren immer nur ein paar Tropfen. Doch das blieb leider nicht so. Auf etwa halbem Weg zwischen Guben und der Neissemündung erwischten wir dann auch einen richtigen Regenschauer oder besser, der Schauer erwischte uns. Also anhalten und Regenkleidung anziehen. Das hilft wunderbar, solange es regnet. Sobald aber die Sonne wieder rauskommt ….
Und wir hatten heute echt Irisches Wetter „You don’t like our weather? Please wait 15 minutes.“ Und so schien, als wir die Neissemündung erreichten wieder die Sonne. Zumindest beim Blick in Richtung Osten. Bei der Suche nach der eigentlichen Mündung fanden wir eine Bank am Weg. Perfekt um die Regensachen wieder auszuziehen. Da die eigentliche Mündung der Neisse nicht zugänglich ist, drehten wir um. Doch was war das?
Dicke, dunkle Regenwolken beim Blick in Richtung Westen, in die Richtung, in die wir wollten. Also Regensachen wieder anziehen. So verabschiedeten wir uns von der Neisse und erreichten wir im stetigen Kampf gegen den Wind – der Rückenwind hatte uns an der Neissemündung verlassen – den Abzweig zum Kloster Zelle. Wir waren ja heute bei Kerstins Verwandten in Eisenhüttenstadt verabredet und liessen so auch die Mittagsrast an der Neissemündung ausfallen. Am Abzweig warteten Kerstins Mann und ihr Verwandter Günter auf uns und erklärten uns den Weg zu sich. Knapp 60km lagen zu diesem Zeitpunkt hinter uns, 10 weitere vor uns. Wir erreichten auf dem Hochwasserschutzdamm Eisenhüttenstadt und von dort fuhr Günter mit dem Auto langsam vor uns her. Und der Weg zog sich. Und wir hatten Hunger. Und, damit wir nicht so schwitzen und schneller vorankommen, hatten wir am Abzweig die Regensachen wieder ausgezogen. Doch auf dem Weg durch Eisenhüttenstadt erwischte uns der nächste Regenschauer. Jetzt noch mal anhalten und wieder anziehen? Nee. Sch… drauf. Doch der Weg zog sich. Und ging auch noch bergauf. Und so maulte ich dann schon vor mich hin „Wie weit ist das denn noch?“ Nicht mehr weit, meinte Kerstin. Und dann waren wir endlich da. Hungrig, nass und zu allem Übel auch noch mit zu wenig Luft auf meinem Vorderrad. Das war echt grenzwertig. Doch erst mal was essen. Lecker Hackbällchen, Wiener Würstchen, Kartoffelsalat, Tomaten, Rote Beete und was Süsses zu trinken. Jetzt war die Welt wieder in Ordnung. Danke Renita und Günter für eure Gastfreundschaft. Dann wollte ich mein Vorderrad reparieren. Das Löchlein war schnell gefunden, doch die Flicken wollten einfach nicht halten. Das ist mir noch nie passiert. Also Ersatzschlauch rein und Dank Günters elektrischer Pumpe auch wieder ordentlich Luft drauf.
Als wir so nass da ankamen hatte Mario die gute Idee im Radlerhof Aurith – unserem geplanten Ziel – anzurufen und zu fragen ob es denn dort auch eine feste Unterkunft gibt. So hätten wir die Möglichkeit alle unsere Sachen zu trocknen. Das wäre im Zelt schwierig geworden. Zum Glück hat das auch geklappt. Nachdem wir uns noch mit Kaffee und Kuchen gestärkt hatten, verabschiedeten wir uns von Kerstin und radelten zu dritt kurz vor 17:00 Uhr wieder los. Jetzt ging es erst mal bergab und später hinter dem Hochwasserdamm und damit windgeschützter in Richtung Aurith – knapp 20km nochmal. Und ja, ich habe auf diesen knapp 20 Kilometern gezogen …
Und das war gut so. Denn kurz vor Ziel kam der nächste Regenschauer. Zwar hatten wir die Regensachen schon an, lustig war es trotzdem nicht. Doch so richtig los ging es erst, als wir das schützende Dach des Radlerhofes erreicht hatten. Im Trockenen konnten wir unser Ankunftsbier geniessen. Warm und mit festem Dach und einem ganzen Wäscheständer voll nasser Sachen sitzen wir nun in unserem Zimmer und geniessen ein feines Schwarzbier aus der Klosterbrauerei Zelle.
Und ab morgen wollen wir dann wirklich zelten, denn der Regen soll nun endlich vorbei sein.
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