Der Weg ist das Ziel

Von Papenburg an der Ems für die Reise zunächst auf dem Ems-Radweg nach Norden. Von Leer geht es dann durch ganz Ostfriesland mit einem Abstecher nach Norderney bis nach Hamburg. Nach einem "Ruhetag" im Miniatur Wunderland radeln wir weiter auf dem Nordseeküsten-Radweg nordwärts bis an die Grenze zu Dänemark. Über die Grenzroute rollen wir nach Flensburg und von dort auf dem Ostseeküstenradweg weiter bis an die polnische Grenze. 

Geplant habe ich wie immer anhand klassischer Fahrradkarten. Beim Abfahren der Strecke mit dem Messrädchen ergeben sich so theoretische 2100 Kilometer.

Meine Etappenplanung

Auch für diese Reise gibt es eine ausgearbeitete Etappenplanung. Und auch dieses Mal ist die Planung nicht "in Stein gemeisselt" sondern lediglich Orientierung. Wenn es mir an einem Ort besonders gut gefällt, dann bleibe ich gern auch einen Tag länger und fahre dafür auch ggf. mal ein Stück mit der Bahn. Die Kilometerangaben für die einzelnen Etappen sind anhand der Bikeline - Radkarten berechnet.

Übernachten werde ich wieder im Zelt und in diesem Jahr sind auch Kocher und Kochgeschirr mit auf dem Rad.

Datum Etappe Entfernung
19.08.2024 Anreise nach Papenburg - Ems-Radweg - Leer 30km
20.08.2024 Leer - Ems-Radweg - Ditzum (Fähre) - Emden - Nordseeküstenradweg - Knock 55km
21.08.2024 Knock - Nordseeküstenradweg - Greetsiel - Norddeich (Fähre) - Norderney 70km
22.08.024 Nordeney (Fähre) - Norddeich - Nordseeküstenradweg - Dornumersiel - Neuharlingersiel - Carolinensiel 60km
23.08.2024 Carolinensiel - Horumersiel - Dornumersiel - Wilhelmshaven - Sande - Dangast 70km
24.08.2024 Dangast - Varel - Eckwarderhörne - Fedderwardersiel

60km

25.08.2024 Fedderwardersiel - Blexen (Fähre) - Bremerhaven - Wremen - Cuxhaven 74km
26.08.2024 Cuxhaven - Stade - Wetterndorf 92km
27.08.2024 Wetterndorf - Hamburg-Blankenese 42km
28.08.2024 Hamburg 0km
29.08.2024 Hamburg - Kollmar - Glückstadt - Brokdorf - Brunsbüttel 72km
30.08.2024 Brunsbüttel - Friedichskoog - Büsum 70km
31.08.2024 Büsum - St.Peter Ording 35km
01.09.2024 St. Peter Ording - Husum - Nordstrand 75km
02.09.2024 Nordstrand - Dagebüll (Fähre) - Amrum 60km
03.09.2024 Amrum (Fähre) - Dagebüll - Klanxbüll - Nord-Ostsee-Radweg - Flensburg 90km
04.09.2024 Flensburg - Ostseeküstenradweg - Westerholz - Kappeln - Olpenitzdorf 86km
05.09.2024 Olpenitzdorf - Eckernförde - NOK - Nord-Ostsee-Kanal-Route - Felde 85km
06.09.202 Bahnfahrt Felde - Kiel -Eisenach 0km
07.09.2024 Kunstfest Eisenach 0km
08.09.2024 Kunstfest Eisenach 0km
09.09.2024 Bahnfahrt Eisenach - Kiel - Felde 0km
10.09.2024 Felde - Nord-Ostsee-Kanal-Route - Kiel - Ostseeküstenradeweg - Schönberg - Behrensdorf 80km
11.09.2024 Behrensdorf - Weissenhäuser Strand - Heiligenhafen - Fehmarnsund - Flügge 66km
12.09.2024 Flügge - Rund um Fehmarn - Grossenbrode - Dahme 85km
13.09.2024 Dame - Neustadt - Scharbeutz - Timmendorfer Strand - Travemünde (Priwall) 65km
14.09.2024 Travemünde - Boltenhagen - Wismar (Fähre) - Kirchdorf - Timmendorf (Poel) 70km
15.09.2024 Timmendorf (Poel) - Rerik - Kühlugsborn - Warnemünde 80km
16.09.2024 Warnemünde 0km
17.09.2024 Warnemünde - Wustrow - Prerow 70km
18.09.2024 Prerow - Zingst - Barth - Stralsund - Rügendamm - Altefähr 70km
19.09.2024 Altefähr - Gingst - Wieck - Kap Arkona - Altenkirchen 80km
20.09.2024 Altenkirchen - Binz - Göhren 70km
21.09.2024 Göhren - Putbus - Garz - Glewitzer Fähre - Stahlbrode 70km
22.09.2024 Stahlbrode - Greifswald - Lubmin - Freest (Fähre) - Peenemünde - Karlshagen 70km
23.09.2024 Karlshagen - Ahlbeck - Swinemünde - Ückeritz 50km
24.09.2024 Ückeritz 0km
25.09.2024 Heimfahrt ab Ückeritz 0km
  Gesamtstrecke ca. 2052km

 

Probetour

Neues Velo, Packtaschen vorn, mehr Ausrüstung (Kocher, Töpfe usw.) ... passt das alles aufs Velo und vor allem, wie fährt es sich? 

Und im Haus der Stille in Friedrichroda ist heute Männerabend mit dem Prediger Jürgen Werth. So entstand bei mir die Idee diesen Event mit einer Probefahrt zu kombinieren. Also Taschen gepackt mit (fast) allem an Ausrüstung, was ich für die Tour im Sommer aufgelistet hatte. Gegen 11:00 Uhr hatte ich das Velo beladen und radelte los. Zunächst entlang der Thüringer Städtekette bis nach Hörselgau und dann über Wahlwinkel und Schnepfenthal nach Friedrichroda. Nach gut 2 Stunden waren die 36 Kilometer absolviert. Das Gepäck sass fest und das Fahren mit den vorderen Taschen einfacher als erwartet. Wirklich gespürt habe ich das Gewicht nur beim Losfahren. Sobald das Velo rollte, war es fast nicht mehr spürbar. Nur die graue Tasche ist - durch eine neue und im Packmass massiv kleinere Isomatte - brauche ich die grosse Tasche nicht mehr. Das lässt sich noch optimieren. 

Angekommen im Haus der Stille gab es erst einmal Kaffee und Kuchen, dann das Zelt aufbauen und auch gleich den neuen Sessel ausprobiert - passt.

Und jetzt freue ich mich auf einen schönen Abend mit einem interessanten Vortrag, guten Gesprächen, gutem Essen und Gottes Segen.

18.08.2024 - Mehr als gedacht ...

Die Taschen sind gepackt, das Fahrrad ist beladen, die Schlüssel für Wohnung und Atelier sind übergeben, die Blumenpflege ist geklärt ... Morgen früh um 06:13 Uhr fährt mein Zug ab Eisenach. 

Die letzten Tage habe ich gepackt und organisiert, optimiert und gewogen. Doch trotz aller Optimierung habe ich heute 5 Taschen mit in Summe 35kg Gepäck auf mein  Fahrrad geladen. Die kommenden Tage werden zeigen, was davon nicht gebraucht wird. Von diesen 35kg war ich selbst überrascht, hatte ich doch immer wieder gewogen, verglichen und optimiert. Naja, auf den bisherigen Touren hatte ich mein Gepäck nie gewogen. Und Kocher und Kochutensilien und Lebensmittel hatte ich bisher nie dabei. Aber 6 Wochen jeden Tag Essen gehen liegt einfach nicht drin. Egal, ich kann das Velo anheben und somit am Bahnhof zur Not die Treppe hochtragen. Da zeigt sich dann wohl der Vorteil eines leichten Velos.

Bei aller gut organisierten Vorbereitung ... ein komisches Gefühl war da schon die letzten beiden Tage ... so mit Schlüsselübergabe und allen Bescheid geben wer welchen Schlüssel hat und so. Bisher war ja immer Beate da, die über alles Bescheid wusste ... Daran muss ich mich erst gewöhnen. 

Aber die Vorfreude überwiegt ...

19.08.2024 - Endlich unterwegs

Die lange Zeit des Wartens war nun heute Morgen endlich vorbei. Das Abenteuer begann ... mit einer Reise mit der Bahn. Doch so schlimm war es gar nicht. Pünktlich um 06:13 Uhr fuhr der Zug in Richtung Bebra, Umsteigen und überpünktlich ging es weiter in Richtung Kassel. Doch in Kassel-Wilhelmshöhe waren dann alle Signale auf rot. Suizidversuch hiess es vom Zugpersonal. Und meine Hoffnungen auf den Anschluss schwanden ... wobei, wenn unser Zug nicht fahren kann, dann kann es der Anschlusszug wahrscheinlich auch nicht. Und genauso war es. Der mit 7 Minuten Umsteigezeit eh schon knapp bemessene Anschluss in Hamm nach Rheine war natürlich trotzdem futsch. Aber der Alternativvorschlag aus der DB-App führte mich nach Münster und dort genau auf den Zug, auf den ich in Rheine fast 45 Minuten hätte warten müssen. Und so erreichte ich mit knapp 20 Minuten Verspätung meinen Zielbahnhof Papenburg im Emsland.

Wer Papenburg nicht kennt sollte hier auf jeden Fall mehr Zeit verbringen. Mir reichte heute eine kurze Runde entlang des Hauptkanals durch die Altstadt und danach führte mich der Emsradweg aus der Stadt heraus in Richtung Leer. Doch zunächst einmal vorbei an der der Meyerwerft, wo die riesige Disney Treasure am Ausrüstungskai lag ... einfach Wahnsinn.

Nach der Überquerung der Ems radelte ich auf dem westlichen Emsufer, immer hinter dem Deich und somit ohne Blick auf die Ems, in Richtung Norden. Hinter dem schönen, kleinen Örtchen Weener lud mich in Kirchborgum ein Schild "offene  Kirche" zum Verweilen ein. Ein kleines, schlichtes nordischen Landkirchlein, ein Ort zum Verweilen und zum Ruhe finden.  Und von dort waren es nur noch gut 4km bis zum Campingplatz an der Ems Marina in Leer. 

Um 16:00 stand mein Zelt. Nun war es Zeit für einen Anruf bei meinem Freund Boris, der heute Abend nach Leer kommen und morgen mit mir weiter radeln wollte. Doch Boris steckte am Vormittag 2,5 Stunden im Stau bei München und war noch weit weg vom Ziel in Leer. Es würde spät werden ...

So radelte ich allein noch einmal vom Campingplatz hinein nach Leer und gönnte mir an meinem ersten Urlaubsabend erst mal eine Weinschorle am alten Hafen und später Ofenkartoffel mit Greesieler Krabben. Wat mutt dat mutt ...

Den Abend werde ich auf dem Campingplatz verbringen und sicher noch das eine oder andere gute Gespräch mit den anderen Radlern führen.

20.08.2024 - Einfach herrlich

Nun liegt er schon wieder hinter mir, der erste wirkliche Radeltag meiner Reise ...

Doch der Reihe nach ...

Als heute morgen aufwachte, war Boris schon da - nur, dass wusste ich nicht. Also begann ich  mein normales Morgenprogramm, Duschen,  Frühstück, Zelt abbauen ... Boris hatte mir per WhatsApp eine Nachricht geschickt. Die hatte ich aber nicht gesehen. Also liess ich mir Zeit und wartete auf einen Anruf von Boris. Erst als ich fertig war schaute ich aufs Telefon und lass "sitze am Eingang". Naja, blöd gelaufen aber schön, dass Boris da war.

Gemeinsam radelten wir nun nordwärts in Richtung Ditzum. Immer hinterm Deich ohne Ausblick aber dafür windgeschützt. Am Ems-Sperrwerk legten wir einen ersten Stopp ein. Gigantisch dieses Bauwerk, dass auch gebraucht wird um die grossen Pötte der Meyer Werft in die Nordsee zu bringen.

Weiter nach Ditzum von wo aus uns die letzte Ems-Fähre übersetzte. Von dort war es dann nicht mehr weit bis Emden. Zeit für eine Mittagspause. Direkt am Rathaus fanden wir ein schönes Plätzchen. Und das Matjesfilet mit Ofenkartoffel war echt lecker.

Als wir weiterfahren wollten, musste ich feststellen, dass meinem Fahrrad etwas fehlte ... nämlich die Luft auf meinem Hinterrad. Also abladen und flicken. Doch was war das? Die Steckachse im Hinterrad hatte ich nicht erwartet und vor allem war ich damit nicht vertraut. Doch genau da gab uns jemand den Tipp, dass 300m weiter ein Fahrradladen mit Werkstatt sei. So konnten wir mit 1 Stunde Verzögerung und noch gestärkt durch ein Eis weiterradeln.

Boris wollte gern noch zum Aussenhafen mit der Seeschleuse. Dieses Schleusen dienen dazu, den dahinterliegenden Binnenhafen gezeitenunabhängig zu halten. Gewaltig die Technik, die dahinter steckt.

Danach führte der Weg, bedingt durch den Verlauf der Ems nach Westen. In Wybelsum haben wir uns dann etwas verfahren, fanden dann aber durch den Tipp eines Anwohners den viel schöneren Weg vorm Deich. Klar mussten wir uns da mit dem Südwestwind arrangieren. Doch wenn er morgen genauso bläst fliegen wir nach Norddeich.

Der für den Abend angesagte Regen kam später als gemeldet. Wir liegen trocken im Zelt und morgen früh soll es schon wieder trocken sein. 

21.08.2024 - Zu Gast bei Eisenachern auf Norderney

Ich hätte nie gedacht, dass Regen so laut sein kann ... Jedenfalls war es das in der vergangenen Nacht. Und es hat mächtig und kräftig geregnet. Aber unser Zelt blieb trocken. Und der Wind hatte das Zelt am Morgen soweit abgetrocknet, dass wir es fast trocken einpacken konnten.

Nach einem kleinen Frühstück direkt auf dem Campingplatz rollten wir los, getragen vom  Südwestwind in Richtung Greetsiel. Direkt am Deich, teilweise dahinter, teilweise davor rollten wir richtig gut. Bis der Weg am Deich gesperrt war und wir ins Hinterland ausweichen mussten. Alles in allem war der Weg aber sehr gut ausgeschildert. Ein erster Stopp sollte am Pilsumer Leuchtturm sein. Der ist ja spätestens seit dem Otto-Film bekannt. Da der Weg am Deich immer noch gesperrt war, mussten wir da sogar ein kleines Stück zurück fahren. Dann aber trieb uns der Westwind - zunächst erst einmal durch ein Wegstück mit richtig viel frischer Schafsch... auf dem Weg - nach Greetsiel. Hier mussten wir ein wenig suchen, bis wir den Weg zum Kutterhafen gefunden hatten. Gut 30km lagen hinter uns und somit war es Zeit für eine Stärkung mit einem Fischbrötchen.

Der Weg weiter in Richtung Norddeich führte uns dann zunächst hinter dem Deich entlang. Auf Grund des Küstenverlaufes aber an einigen Abschnitten auch noch mal in Richtung Westen. Da blies uns der Weg schon recht kräftig entgegen. Ein Umleitungsschild führte uns dann vor den Deich ... und der Weg führte zunächst westwärts. Da blies uns der Wind mächtig um die Ohren. Aber trotz der damit verbundenen Anstrengung beim Vorankommen war es einfach herrlich. Als sich der Weg dann aber in Richtung Nordosten wendete, war es einfach nur noch g.... Mit durchschnittlich 28km/h flogen wir dahin ... einfach herrlich. 

So erreichten wir in Norddeich bereits die Fähre um 14:00 und waren dann gegen 15:30 Uhr bei unseren lieben Gastgebern Nadine und Daniel. Die beiden sind mit ihrer Familie vor 5 Jahren von Eisenach nach Norderney gezogen. Und die Geschichte, wie wir zueinander gefunden haben, ist definitiv von Gott geführt. Das sind die Wunder, die der Herr für uns bereit hält. Wir müssen sie nur erkennen und annehmen.

Nach einem gemeinsamen Kaffee trinken, eine ersten Strandspaziergang von Boris und mir, einem gemeinsamen Grillabend sind Boris und ich noch einmal ins Zentrum von Norderney gelaufen und haben uns am Strand noch ein Bierchen gegönnt. So geht nun ein weiterer wunderbarer Tag meiner Reise zu Ende und ich sage euch gute Nacht.

22.08.2024 - Inseltraum auf Norderney

Herrlich haben wir geschlafen, im Gästebett von Nadine und Daniel. Und nach einem wunderbaren gemeinsamen Frühstück radelten Boris und ich los, den unbewohnten Osten der Insel zu erkunden. Der Wind bliess wieder heftig aus Südwest und so war selbst der Seitenwind auf der Deichkrone eine Herausforderung. Dafür trieb uns der Wind aber dann förmlich bis zum Leuchtturm. Über 252 Stufen kann man den Leuchtturm besteigen und Treppensteigen ist wesentlich anstrengender als Fahrrad fahren. Aber der Ausblick von oben über die Insel entschädigt für die Anstrengung. Und natürlich blies uns der Wind hier oben richtig um die Ohren.

Vom Leuchtturm radelten wir weiter bis zum letzten Parkplatz ca. in der Mitte der Insel. Weiter nach Osten geht es nur zu Fuss. Und so liefen auch wir hinein in die grossen Dünen im Osten von Norderney, wandten uns dann aber nach Norden um wieder an den Strand zu gelangen. Durch den kräftigen Wind uns die auflaufende Flut waren die Wellen richtig gross. Ein gewaltiges Schauspiel der Natur. Und beim Laufen im Sand gab es gleich noch ein Sandpeeling für die Beine dazu. Rund 3km liefen wir am Strand und nach einer Pause auch wieder zurück.

Wieder bei unseren Rädern fuhren wir zurück zum Leuchtturm, stärkten uns in der Düne 13 und radelten dann zurück in die Stadt. Ein kurzer Abstecher zum Bierfest, ein Abendessen auf dem Deich und gute Gespräche rundeten diesen Tag ab. Ein weiterer wunderbarer Reisetag geht zu Ende.

23.08.2024  Regen, Sonne und Wind ...

... das alles hatte ich heute aber vor allem Wind. Und der kam aus der richtigen Richtung und war ideal zum "Strecke machen" ...

Doch der Reihe nach ... Nach einer weiteren Nacht im Gästezimmer von Nadine und Daniel auf Norderney und einem wunderbaren gemeinsamen Frühstück war es Zeit Abschied zu nehmen. Nadine musste an die Arbeit und Daniel brachte uns noch zur Fähre. Da noch etwas Zeit bis zur Abfahrt war, unternahm er mit uns noch einen Abstecher zu den Salzwiesen am Watt und erklärte uns die verschiedenen Pflanzen. Das war sehr interessant und vieles davon für Boris und mich absolut neu. Um 10:15 Uhr hiess es dann Leinen los und wir fuhren zurück nach Norddeich aufs Festland. 

Es war eine wunderbare Zeit bei euch, liebe Nadine, lieber Daniel und ich freue mich auf ein Wiedersehen in Eisenach. Bleibt behütet und passt auf euch auf.

In Norddeich hiess es dann ein weiteres Mal Abschied nehmen, denn Boris musste wieder zurück nach München. Ich glaube, er wäre gerne noch weiter mit geradelt. So aber ging Boris zum Zug, der ihn zurück nach Leer zu seinem Auto brachte und ich radelte allein in Richtung Osten. Ok, ganz allein war ich auch nicht. Der Südwestwind war bei mir und er war - so wie im Juni auf dem Weg nach Friedrichroda ausgehandelt - mein Freund. Er schob mich, er trieb mich förmlich vor sich her uns so rollte ich die ersten 20km bis Dornumersiel mit manchmal mehr als 30 km/h hinter dem Deich in Richtung Osten. Herrlich. Die gelegentlichen, kurzen Regenschauer waren nicht schlimm. Nur das ständige An- und Ausziehen der Regenjacke nervte ein wenig. Zur Mittagspause gab es heute in Dornumersiel eine Spezi und ein Krabbenbrötchen. Allerdings war es noch zu frisch um länger zu verweilen. Also weiter ... von Siel zu Siel ...

In Bensersiel kamen dann endlich die von Ellen aus Eisenach geschickten Sonnenstrahlen. Und so flog ich dann - endlich auch ohne Jacke - erst innerdeichs und später ausserdeichs dahin in nach Neuharlingersiel. Nur, dass war am Ende blöd, denn ich war zu schnell für die Sonnenstrahlen. Und so stand ich in Neuharlingersiel plötzlich in einem heftigen Regenschauer. Nicht schlimm, denn da war gerade ein Eiscafé und ich konnte die knappe Viertelstunde im Trockenen verbringen.

Von dort führte mich der Weg immer vor oder hinter dem Deich bis nach Hooksiel. Auf dem riesigen Campingplatz steht mein Zelt mit zwei anderen windgeschützt hinter einer Hecke und die selbst gekochten Nudeln mit Tomatensosse waren nach gut 95km echt lecker.

So darf es morgen gern weiter gehen ... behütet und beschützt und vorwärts ...

Danke Herr.

24.08.2024 - Rund um den Jadebusen oder die Sache mit dem Wind

Wirklich weit weg von meinem letzten Zeltplatz bin ich heute ja nicht gekommen. Und das obwohl ich auch heute wieder 80km geradelt bin.

Doch der Reihe nach ... Gegen 07:30 Uhr weckte mich die Sonne in meinem Zelt. Duschen, Kaffee kochen, frühstücken und abbauen ... Gegen 10:00 war ich fertig und konnte losradeln.

Der Wind, der gestern Abend ganz weg war, war wieder da, heute aus Süden. Aber nicht so stark wie gestern. Zum Glück, denn der Jadebusen ist ja eine grosse Bucht, die ins Landesinnere geht. Und das heisst, mein Weg führt erst mal nach Süden.

Zuerst nach Wilhelmshaven. Gefühlt radelte ich ewig durch die Vorstädte. Aber dank Knotenpunktsystem super ausgeschildert und fast immer durch die Grünanlagen. An der Christus- und Garnisonskirche legte ich einen ersten Stopp ein. Schlicht und schön und mit wunderschönen Fenstern hinter dem Altar.

Nach einer Mittagspause am Hafen mit Blick auf die Kaiser Wilhelm Brücke hiess es dann endgültig auf in den Wind. Nach der Überquerung der Brücke ging es erst aussen und dann innen am Deich west- und vor allem südwärts. Und nirgends eine Möglichkeit eine Pause einzulegen. Dangast war mir zu voll und mehr war nicht. Überhaupt war die heutige Etappe landschaftlich nicht spektakulär. Norddeutschland halt, Deich und Schafe und Wind ...

Abgekämpft aber glücklich erreichte ich gegen 17:00 Uhr den Campingplatz in Eckwarderhörne. 

Nach meinem leckeren Abendessen - Kartoffel Paprika  Pfanne mit Würstchen wollte ich den Abend gemütlich vorm Zelt ausklingen lassen. Doch ich hab es gerade noch vom Abwaschen zurück ins Zelt geschafft. Der Sonnenuntergang fällt heute buchstäblich ins Wasser. Plötzlich kamen Sturmböen, so war hab ich noch nicht erlebt. Aber mein Zelt hält, der Regen plattert drauf, doch ich liege im Trockenen.

25.08.2024 - Von Wilhelmshaven über Bremerhaven nach Cuxhaven

So zumindest fast könnte man meine heutige Etappe zusammenfassen. Aber eben nur fast ... Nun, Eckwarderhörne liegt ja zumindest gegenüber von Wilhelmshaven, durch Bremerhaven bin ich definitiv durch und Cuxhaven habe ich nicht ganz erreicht. 20km vorher in Cappel Neufeld steht mein Zelt.

Eine Woche bin ich nun schon unterwegs auf meiner Tour. Und irgendwie stelle ich mir unterwegs die gleichen Fragen wie im normalen Leben. Wo will ich hin? Welchen Weg nehme ich? Zu welchen Anstrengungen bin ich bereit? Wie gehe ich mit Problemen um? Spannend. Aber ich glaube gerade deshalb bin ich ja unterwegs. Die Frage heute Morgen war zum Beispiel, wie lege ich das Zelt zusammen, alleine bei Wind. Oder was ist mit meinem Hinterrad. Da war die Luft nämlich schon wieder raus. Nr. 1 mit Bravur gelöst, Nr. 2 pragmatisch - aufgepumpt und losgefahren. Mal sehen wie lange es hält in Bremerhaven an der Tanke noch mal nachgepumpt und gut ans Ziel gekommen. Mal sehen, wie es morgen früh aussieht.

Der Weg führte mich heute Morgen nach Norden und nach Osten. Bei Wind aus West bzw. Südwest eine feine Sache. Und so trieb er mich hinauf, nach Fedderwardersiel und Burhave. Hier soll es die Nordseelagunge geben, den einzigen Tideunabhängigen Badesee der gesamten Nordseeküste. Darauf hatte ich mich gefreut. Aber irgendwie war heute auch da kein Wasser da. So blieb Zeit für eine frühe Mittagspause mit Krabbenbrot und Spiegelei - hmm lecker. Weiter nach Blexen. Die Kirche St. Hippolut ist, vom Standort her, die älteste Kirche in der gesamten Wesermarsch. Klar, dass ich da eine Pause einlegen musste. Danke Herr für die Kraft und die Möglichkeit diese Reise zu unternehmen.

Mit der Fähre ging es über die Weser nach Bremerhaven. Hier hätte ich mit Auswandererhaus, Klimahaus, Schifffahrtsmuseum oder Hafenrundfahrt auch den Rest des Tages verbringen können. Einiges davon kannte ich bereits und so radelte ich weiter. Interessant aber auch gefährlich sind die folgenden 10km des Weges. Führt er doch mitten durch den Überseehafen. Da gibt es wahnsinnig viel zu sehen. Es kreuzen aber auch immer wieder Ausfahrten und Eisenbahnschienen den Weg. Nur schauen geht also auch nicht. Den Weg müsst ihr im Blick behalten. Zunächst an den riesigen Autokais vorbei, wo du siehst, dass Deutschland nicht nur PKW, Mähdrescher oder Eisenbahnen exportiert, sondern auch allerlei grün oder sandfarben angestrichenes Kriegsgerät. Es erschreckt mich, dass das so offen direkt neben dem Radweg gezeigt wird. Am Containerhafen vorbei führt der Weg dann wieder zum Nordseedeich und auf dessen Innenseite weiter in Richtung Norden. In Dorum Neufeld hatte ich mir den Campingplatz am Leuchtturm Oberheversand herausgesucht. Der stand aber vor 2 Tagen bei der Flut komplett unter Wasser und war zum Zelten nicht geeignet. So führte mich der Herr noch 4km weiter zum viel schöneren Nordseecamping in Cappel Neufeld ... sicherheitshalber hinter dem Deich. Vom erhofften Sonnenuntergang war dann aber ausser Wolken wieder mal nicht viel zu sehen. 

26.08.2024 - Bergetappe nach Cuxhaven

ein, mir hat der Wind der letzten Tage nicht den Verstand weggeblasen. Heute habe ich wirklich Berge bewältigt. Doch dazu später mehr.

Den Campingplatz "Nordsee Camping in Cappel Neufeld kann ich für Radreisende wärmstens empfehlen. Eine herrliche Zeltwiese mit separatem Aufenthaltsraum, Kühlschrank, Herd, Sitzgelegenheiten drinnen und draußen, jede Menge Steckdosen, herrlich ruhig, frische Brötchen am Morgen und gutes Bier gibt es auch ... Radlerherz was willst Du mehr.

Brötchen gab's erst ab 8. Da war vorher Zeit für mein Hinterrad. Und tatsächlich hatte ich mir einen kleinen Dorn reingefahren. Dorn rauszuholen und flicken und wieder aufpeppen. Nur kriege ich ja mit meiner kleinen Pumpe nicht genug Luft auf den Reifen. Auf die Frage nach einer grossen Pumpe hiess es dann "wir haben einen Kompressor " Spitze.

Gestärkt und mit ausreichend Luft startet ich gegen 10:30 Uhr Richtung Cuxhaven. Und schon bald ging es bergauf. Der 15m hohe Rammberg lag vor mir. Wieder runder nach Berensch nur um gleich danach den 20m hohen Wolfsberg wieder hochzustrampeln.

Am Deich entlang führte der Weg dann nach Cuxhaven. Den Ortsteil Duhnen mit seinen riesigen "Bettenburgen" habe ich schnell durchfahren. Ein Stopp an der Kugelbake musste aber sein. Hier mündet die Elbe in die Nordsee. Weiter am Deich entlang ins Zentrum von Cuxhaven. An der Alten Liebe gibt es eine Aussichtsterrasse zum Schiffe gucken. Denn hier kommen ja die ganzen großen Pötte von oder nach Hamburg vorbei. 

Die nächsten 80km bis Stade habe ich dann der Bahn überlassen und bin erst ab Stade weitergeradelt. Durchs Alte Land mit seinen riesigen Obstplantagen auf der einen und den schmucken Bauernhäusern auf der anderen Seite. Schön.

Nur das mit dem Zelten auf der Elbinsel Lünesand hat nicht geklappt. Die Fähre nimmt keine Fahrräder mit. Nicht so schlimm. Jetzt sitze ich hier wieder mal auf einem ganz idyllischen Campingplatz mitten im Grünen vor den Toren Hamburgs.

27.08.2024 - Bummeltour nach Hamburg

Letzte Nacht war es richtig frisch im Zelt. Und dementsprechend nass von innen. Aber ich hatte ja heute nur wenige Kilometer vor mir und somit genügend Zeit zu warten, bis die Sonne mein Zelt getrocknet hatte. Zur Feier des Tages hatte ich mir auf dem Zeltplatz Frühstück bestellt. So blieb meine Küche heute Morgen kalt und ich genoss Kaffee und Kuchen im Zeltplatzrestaurant. Danach langsam die Taschen packen und dann war auch das Zelt soweit trocken, dass ich es einpacken konnte. Und gegen 10:00 startete ich dann in Richtung Hamburg. Schöne Bauernhäuser wechselten sich mit ... na, richtig, Obstplantagen ab.

Nach ca. 1 Stunde erreichte ich das Ortseingangsschild von Hamburg und kurz darauf das riesige Airbus Gelände. Auf einem Aussichtswall sassen viele Fotografen  - Planespotter - mit riesigen Objektiven. Ich hielt an und dachte, hier gibt's gleich was Besonderes zu sehen. Fehlanzeige, die Aussage war "da sitzen und warten und mit etwas Glück kommt was". Ein wenig habe ich mit gewartet und dabei gleich meine Mittagspause gemacht. Kam aber nix. Also weiter ... einmal rund um Finkenwerder und dann mit der Fähre über die Elbe zum Museumshafen Övelgönne. Noch schnell ein paar Fotos für Freunde von ihrem ehemaligen Haus geschossen und dann, Navi an und auf zum Hotel.

Fast gleichzeitig mit Volker erreichte ich das Hotel, einchecken, Fahrrad abladen und einschliessen und dann waschen ... erst mich und dann die Wäsche.

Am Nachmittag trafen wir uns dann mit Christine an den Ladungsbrücken. Zeit für ein Bierchen und ein Fischbrötchen, ´bevor wir nach St. Pauli zum Musical liefen. Tanz der Vampire wurde gespielt. Es war sehr schön, auch wenn zwei, drei Stellen mit dem Tod für mich gerade nicht so richtig passten. Trotzdem war es ein gelungener Abend.

28.08.2024 - Ruhetag in Hamburg

Oder sollte ich besser sagen, Wunderlandtag in Hamburg? Denn heute wollte ich mir alle Neuigkeiten im Miniatur Wunderland - der grössten Modelleisenbahn der Welt - anschauen. Und Christine und Volker wollten mich begleiten. Und so trafen wir uns um 09:00 Uhr nach einem richtig guten Frühstück im Hotel und einer guten Stunde Fussweg vor dem Miniatur Wunderland in er Speicherstadt. Dank vorgekaufter Tickets konnten wir ohne Anstehen eintreten und waren gleich von Monaco und der Provence begeistert. Doch bevor wir in Ruhe schauen konnten hatten wir noch ein Event gebucht - um überhaupt ohne Anstehen reinzukommen. 

Schrumpf dich ins Wunderland - ein 10-minütiges Virtual Reality Erlebnis. Wir hatten keine Ahnung, was das heisst, liessen es einfach auf uns zukommen und waren am Ende total begeistert. Das ganze findet in einem relativ kleinen Raum statt. Wir bekamen jeder eine VR-Brille, je einen Controller in die rechte und die linke Hand und waren nach einer kurzen Einweisung mitten im Wunderland. Mit einem Aufzug ging es gefühlt tatsächlich nach unten, nach Venedig, dann durch die Schweiz und am Ende auf einem Zug durch den wilden Westen. Es ist einfach Wahnsinn, was heute mit solcher Technik möglich ist. 

Danach hiess es schauen und staunen. Die Modellwelten reichen mittlerweile von Patagonien und Rio, die Schweiz, Österreich und Deutschland, Skandinavien bis nach Amerika. Das lässt sich nur schwer in Worte fassen. Fast 8 Stunden haben wir geschaut und sicher vieles nicht gesehen. Und trotzdem total begeistert.

Pflastermüde liefen wir dann auch nur noch in die Innenstadt zum Abendessen und fuhren dann mit S- bzw. U-Bahn wieder in unsere Quartiere.

Schon wieder ein wunderbarer Tag. Und morgen wird dann wieder geradelt. 

29.08.2024 - Heisser Tag zu zweit

Heute lag ein wirklich heisser Tag vor uns. 

Nach einem wieder richtig guten und reichhaltigen Frühstück im Hotel brachte ich gegen 09:00 Uhr Volker zum Bahnhof Hamburg Altona. Er fuhr heute wieder nach Hause, während Christine mit mir weiter bis nach Kiel radelt. Und so radelte ich nach der Verabschiedung von Volker zum mit Christine vereinbarten Treffpunkt an den Landungsbrücken. In Hamburg ist es schwierig, mit einem vollbeladenen Fahrrad am Morgen im Berufsverkehr in S- oder U-Bahn einzusteigen. Und deshalb konnte Christine erst gegen 09:00 Uhr bei ihren Freunden losfahren. Dadurch war es kurz vor 10, als wir in Richtung Brunsbüttel starteten. Immer am Elbufer radelten wir stadtauswärts, mussten in Ottensen (Övelgönne) mal kurzzeitig schieben, radelten durch Blankenese und waren schon über eine Stunde unterwegs und immer noch in Hamburg ... 

Als wir dann endlich die Landesgrenze zu Schleswig Holstein erreichten, schockte uns zunächst ein Verkehrsschild und anschliessend die darauf folgende Steigung. Das wäre definitiv ein Abschnitt für unseren Bergkönig Mario gewesen. Wir waren aber wohl so perplex, dass wir uns dann in Wedel erst mal richtig schön verfahren haben und so bestimmt 3-4 zusätzlicher Kilometer gefahren sind. Wieder auf dem richtigen Weg erreichten wir kurz darauf den Landgasthof "Fährmannsand". Zeit für eine Stärkung ... Rhabarberschorle und Mett- bzw. Leberwurstbrot ... genau das richtige an so einem heissen Tag. Denn die Temperatur näherte sich langsam der 30°C Marke.

Vor uns lagen nun die Sperrwerke Pinnau und Krückau, welche nur zu bestimmten Zeiten für Radfahrer und Fussgänger geschlossen sind. Verpasst man diese Zeit heisst es einen Umweg von 28km Länge zu radeln. Das soll wohl schon manche fröhliche Radeltour ins Gegenteil umgeschlagen sein. Allerdings führte der Weg ab Wedel zwar wunderschön durch die Vorflutgebiete der Elbe aber eben auch ohne schattenspendende Bäume durch die pralle Sonne. Und das zehrte an unseren Kräften. Also hiess es die Sperrwerke schaffen und dann weiter entscheiden. Mein geplantes Ziel Brunsbüttel war definitiv unrealistisch geworden. Nicht, dass noch einer von uns vom Rad fällt. Doch bei einer Pause hinter dem Sperrwerk Krückau zeigte sich, dass der Herr uns behütet ... 2km weiter gab es einen Campingplatz direkt hinter dem Elbdeich. Und hier fühlen wir uns richtig wohl.

Morgen sollen es nur noch 21°C werden. Mal sehen, wie wir da vorwärts kommen. Am Ende ist es aber egal, denn die Freude am Radeln bestimmt unsere Etappe.

30.08.2024 - Hoch hinaus ...

... ging es heute wirklich. War doch die höchste Erhebung, die wir heute hinauf geradelt sind, immerhin 55m über dem Meeresspiegel. Doch dazu später mehr ...

Die Nacht im Zelt war ruhig und angenehm mild. So waren unsere Zelte am Morgen auch nicht allzu sehr nass. Gegen 08:00 brachte eine Frau aus dem Dorf selbstgebackene Brötchen, Marmeladen und vieles mehr auf den Campingplatz. Da wir beim Einchecken 2 Dosen Frühstücksfleisch bekommen hatten, reichten uns die bestellten Brötchen und natürlich selbst gekochter Kaffee dazu.

Gut gestärkt sassen wir um 09:39 im Sattel und starteten zu unserer 2. gemeinsamen Etappe. Glückstadt hiess unser erstes Ziel. Ein schönes kleines Städtchen, in dem alle Strassen sternförmig vom Marktplatz ausgehen.

Weiter ging's, mal innerdeichs, mal ausserdeichs in Richtung Brunsbüttel, vorbei am mittlerweile stillgelegten Kernkraftwerk Brokdorf. Es war eines der leistungsfähigsten Kraftwerke Deutschlands. Dafür wird jetzt, wie gestern gesehen, z. Bsp. in Wedel Kohle zur Stromerzeugung verbrannt. Kohle, die mit schwerölverbrennenden Schiffen über die Weltmeere nach Deutschland geschippert wird. Ob das soviel besser für unsere Umwelt ist ... zumindest bei mir weckt das Zweifel, grosse Zweifel.

Am ebenfalls stillgelegten Kernkraftwerk Brunsbüttel vorbei erreichten wir den Nord-Ostsee-Kanal und konnten als Radfahrer auch gleich noch auf die Fähre fahren - kostenlos. Knapp 40km lagen hinter uns ... Zeit für eine Mittagspause. Direkt neben der Einfahrt zu den riesigen Schleusen, die den Nord-Ostsee-Kanal von der Nordsee trennen, fanden wir ein schönes Plätzchen im Torhäuschen. 

Für den weiteren Weg hatten wir uns entschieden, den offiziellen Nordseeküstenradweg zu nehmen, d.h. durch das Landesinnere und nicht die Variante am Deich über Friedrichskoog. Grund dafür war einerseits der Wind, der heute auf Nordwest - also in die Richtung, in die wir unterwegs waren - gedreht hatte, andererseits fehlender Schatten, denn davon gibt es am Deich nicht viel. Eine absolut richtige Entscheidung, denn wir radelten durch eine wunderbare, abwechslungsreiche Landschaft, kleine Dörfchen und Städtchen, Wälder und Felder und eben auch hinauf zum Flugplatz Dingen - 55m über dem Meeresspiegel. Der Weg dorthin erinnerte mich stark an Thüringen ...

Dort gab es auch einen Campingplatz, den wir als möglichen Übernachtungsort hätten nutzen können. Wir fühlten uns aber noch fit und es war noch früh am Tag und so wollten wir weiter radeln. Doch eine Kaffeepause wäre jetzt nicht schlecht. In der Karte war ja auch eine Gaststätte am Flugplatz eingezeichnet. Doch die war leider zu ... Was nun? Apfel und Müsliriegel? Vielleicht gibt es ja am Campingplatz was? Offiziell zumindest nicht. Doch fragen kostet nichts und so haben wir ganz ehrlich gesagt, dass wir noch weiter möchten, aber ein Kaffee nicht schlecht wäre. Und wir bekamen zwei Tassen Kaffee und ein schattiges Bänkchen zum Ausruhen. Das sind die Begegnungen mit den Menschen von denen meine Reise lebt. So haben wir dann die letzten 20km bis zum Campingplatz Achtern Dieck in Nordermeldorf auch noch gut geschafft. 

Zum Abendessen gab's Nudeln mit Tomatensosse und Tomatensalat - in Brunsbüttel bei Edeka eingekauft. Müde aber zufrieden werden wir heute, nach 80km,  sicher nicht allzu spät in unsere Scharchtüten kriechen.

31.08.2024 - Weil es so schön war, gleich noch mal

Das gilt natürlich zu aller erst für unser heutiges Radelwetter. Einfach perfekt, blauer Himmel, Sonnenschein, angenehme 21 Grad und der Wind ... der kam heute aus Nord, wurde aber im Tagesverlauf immer schwächer. Und Wind gehört hier nun mal dazu.

Die letzte Nacht war frisch, unsere Zelte dementsprechend nass und bis nach dem Frühstück auch nicht wirklich trocken. Da blieb uns nichts anderes übrig als die Zelte nass einzupacken. Was soll's, am Abend werden sie getrocknet. Via Büsum, wo wir eine ganze Menge Zeit verbrachten, weil wir eine neue Gaskartusche brauchten - Kaffee kochen ging am Morgen nur noch auf Sparflamme - radelten wir in Richtung Eider-Sperrwerk. Und waren froh, das Gewimmel des Nordseebades Büsum hinter uns zu lassen. Immer am Deich entlang rollten wir dem Wind und dem Sperrwerk entgegen.

Und wie im täglichen Alltag stehen auch bei einer Radreise immer wieder Fragen im Raum. Die wichtigste heute war, welchen Weg nehmen wir - die Hauptroute oder eine der heute sehr zahlreichen Varianten. Nach Überquerung des Eider-Sperrwerkes haben wir uns entschieden, die Variante durchs Landesinnere über Tönning zu fahren. Zum einen wie gestern, weil es sonnen- und windtechnisch einfach besser war, zum anderen weil es gestern so schön abwechslungsreich war. Denn Deich und Schafe hatten wir ja schon zur Genüge. Und immer Schäfchen zählen macht müde ... da fallen wir noch vom Rad. 

So haben wir zwar die richtig breiten Sandstrände von St. Peter Ording und Westerhever verpasst, dafür aber am Abend Husum erreicht und sind damit wieder im Zeitplan. Und Tönning selbst ist ein wunderschönes kleines Städtchen und auch der Weg war schön und abwechslungsreich, wenn auch manchmal etwas holprig.

Nach 745km Gesamtfahrstrecke seit Papenburg erreichten wir am Abend Husum mit einem Zeltplatz direkt hinter dem Deich. Die Anmeldung war zwar um 17:30 schon zu doch ein Dauercamper aus Würzburg half uns weiter und brachte uns sogar noch 2 Flaschen Bier aus seinem eigenen Vorrat. Toll.

Und als i-Tüpfelchen dieses schönen Tages konnten wir auch noch einen schönen Sonnenuntergang geniessen.

01.09.2024 - Mit Rückenwind nach Amrum

Die letzte Nacht im Zelt war frisch, sehr frisch. Und dementsprechend nass waren unsere Zelte heute Morgen. Doch die Zelte standen strategisch richtig und die Sonne und der auf Osten gedrehte Wind trockneten unsere Zelte recht schnell. So konnten wir seit langem wieder einmal trockene Zelte einpacken.

Eine im Vergleich zu den letzten Tagen kurze Etappe lag vor uns. Gestärkt mit frischen Brötchen und dank voller Gaskartusche auch ausreichend Kaffee radelten wir weiter in Richtung Nordwesten. Ein kleines Stück durchs Hinterland und dann immer am Deich entlang. Teilweise nur Deich und Radweg und zumindest bei Flut rechts und links Wasser. Als wir dort entlang radelten war aber noch Ebbe, doch konnten wir erkennen, dass der Radweg ausserdeichs bei Flut teilweise nicht befahrbar ist. Und der Wind, der hat heute die allermeiste Zeit geschoben ... herrlich. Unterbrochen wurde unsere Fahrt nur immer wieder von den Toren, die die einzelnen Weidebereiche voneinander trennen. Immer wenn wir gerade richtig in Schwung waren, mussten wir wieder bremsen und anhalten, Tore öffnen und langsam die Fahrräder durchschieben. Mit dem ganzen Gepäck ist das gar nicht so einfach, doch mittlerweile sind wir da ein eingespieltes Team.

So erreichten wir zunächst Schlüttsiel, von wo die Fähren zu den Halligen fahren und gut 10km später Dagebüll. Von hier brachte uns die Fähre dann nach Amrum. Eine schöne sonnige Überfahrt mit einem Zwischenstopp auf der Insel Föhr. Am Fährhafen waren wir erst mal überrascht, von den vielen Autos, die da auf eine Überfahrt warteten. Doch für uns Radfahrer war das kein Problem.

Nach der Ankunft in Wittdün auf Amrum und weiteren knapp 3 Radelkilometern erreichten wir den Dünenzeltplatz von Amrum. Wunderschön in den Dünen gelegen, aber auch s...teuer. Wir sind beide fast umgefallen, als wir den Preis für die zwei Übernachtungen hörten. Naja, so schnell kommen wir nicht wieder hier her und so einen schönen Platz in den Dünen finden wir auch so schnell nicht wieder.

Nach einem - zum Sonntag gegönnten - Abendessen im Zeltplatzrestaurant unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang - oder sollten wir das bei der Entfernung schon Wanderung nennen - durch die Dünen zum Strand.

Und so geht wieder ein wunderbarer Tag zur Neige und ich wünsche euch allen eine gute Nacht.

02.09.2024 - Geschafft

Ruhetag auf Amrum. Die letzte Nacht war mild und richtig ruhig hier mitten in den Dünen. Der Wind säuselte die ganze Nacht leise durch mein Zelt und die Morgensonne weckte mich. Herrlich und vor allem trocken. Endlich mal kein feuchtes Zelt am Morgen. Wobei ... heute wäre es ja egal gewesen, denn wir mussten die Zelte nicht abbauen. Also erst mal ein ganz gemütliches Frühstück mit frischen Brötchen und Kaffee direkt in der Morgensonne in den Dünen. Und dann ... Wäsche waschen. Zum Glück gab es hier auf dem Platz Waschmaschine und Trockner. Wäsche in die Maschine und Taschen packen für eine kleine Runde über die Insel. Wäsche in den Trockner und los. Erst mal zu Edeka zum Einkaufen. Zurück zum Zeltplatz den Einkauf ins Zelt legen und dann wirklich los. 

Erster Stopp nach ca. 800m der Leuchtturm. Über 157 Stufen geht es hinauf mit einem fantastischen Ausblick über die ganze Insel. Und heute war das Treppen steigen gar nicht so anstrengend wie zu Beginn auf Norderney. Zurück bei unseren Rädern radelten wir nach Nebel, ein kleines Örtchen am Wattenmeer. Und so ohne Gepäck war das Radeln am Anfang sogar ein wenig ungewohnt. Es rollte wie von allein. Für Nebel hatten wir von Christines Chefin die Empfehlung unbedingt ins Friesencafe zu gehen. Wollten wir auch ... aber anscheinend ist heute Montag oder schon Dienstag, denn es war Ruhetag. So gab es an Stelle von Kaffee und Kuchen leckere Fischbrötchen von gegenüber. Danach 100m zurück radeln, zur Kirche St. Clemens aus dem 12. Jh. Die Kirche ist, wie viele Häuser hier reetgedeckt und auf dem Friedhof gibt es noch viele gaaaanz alte Grabsteine, die die Geschichte der Insel erzählen.

Dann radelten wir am Wattenmeer entlang in Richtung Norddorf, in Richtung Strand. Denn das hatten wir uns für heute vorgenommen. Und ... wir haben es geschafft. Wir waren am Strand und es war Wasser da. Und so habe ich es geschafft, nach 2 Wochen radeln an der Nordsee doch wenigsten einmal darin zu baden. Das ist aber auch eine verzwickte Sache mit dem Wasser. Es war erfrischend und ich bin dankbar, dass das noch geklappt hat.

Nach gut 2 Stunden radelten wir dann zurück zum Zeltplatz, gönnten uns noch ein Eis, schrieben ein paar Postkarten und haben lecker gekocht. Kartoffeln mit Paprika und dazu Würstchengulasch mit Zwiebeln.

Und während wir jetzt unsere Berichte schreiben, läuft gerade ein Fasan an uns vorüber ... einfach so ... einfach schön. Gottes Schöpfung ist wirklich wunderschön.

So wie Amrum, klein, überschaubar, touristisch aber kein Massentourismus, keine riesigen Hotelanlagen oder andere Bettenburgen. Klein aber fein.

Ihr Lieben, das war der letzte Bericht von der Nordsee. Morgen früh geht es zurück aufs Festland und dann mit dem Zug nach Flensburg. Und morgen Abend melden wir uns dann von der Ostsee.

03.09.2024 - Vom Flachland ins Bergland

So jedenfalls war unser Gefühl, als wir heute Nachmittag in Flensburg losgeradelt sind. Und die Auswertung unserer Radcomputer hat das bestätigt. Wir haben heute auf 32km so viele Höhenmeter absolviert, wie auf dem ganzen Weg von Hamburg bis Husum ...

Doch der Reihe nach ...

Die Nacht war mild und sternenklar. Und dank eines Hinweises von Daniel aus Norderney habe ich am Nachthimmel tatsächlich die Leuchtstrahlen des Leuchtturmes von Helgoland gesehen. Und die sind auch von Norderney aus zu sehen. So waren wir nicht nur in Gedanken, sondern auch im Licht miteinander verbunden.

Gegen 06:00 kam dann leider der angekündigte erste Regenschauer, so dass wir unsere Zelte heute doch wieder nass einpacken mussten. Unser Plan für heute sah ja eh etwas anders aus, da wir um 09:30 die Fähre nehmen wollten. Das hiess zuerst alles abbauen und aus dem Dünensand mit der Schubkarre zu den Fahrrädern bringen und erst danach gleich vorn im überdachten Bereich des Zeltplatzes frühstücken. Die Zelte waren zwar nass, aber es hätte viel schlimmer kommen können, denn abbauen selbst konnten wir ohne Regen.

Beim Frühstück trafen wir dann einen Camper und Radfahrer aus der Schweiz. Er war nach Helsinki geflogen, dann mit dem Zug nach Rovaniemi und von dort mit dem Fahrrad - erst zum Nordkap und dann durch ganz Norwegen und Dänemark zurück und weiter nach Hause bis nach Winterthur. Dagegen ist meine Reise nur Spass. An der Fähre trafen wir ihn wieder und noch einen weiteren Radfahrer aus Hannover. So war für Kurzweil und Unterhaltung auf der Fähre gesorgt. 

Doch zunächst gab es Verzögerungen. Ein Autofahrer hatte auf der ankommenden Fähre den Schlüssel im Auto vergessen und das Auto hatte sich dann selbst verriegelt. So konnte er auf Amrum nicht von der Fähre fahren. Am Ende half nur das Einschlagen der Scheibe um wieder ins Auto zu kommen.

Auf der Überfahrt begann es dann richtig zu regnen und beim Anlegen auf Föhr waren wir in einem richtigen Gewittersturm. Zum Glück sassen wir im Trockenen. 

Die Bahnfahrt nach Flensburg verlief planmässig - ausser dass wir das knappe Umsteigen in Husum natürlich nicht geschafft haben und dort eine Stunde gewartet haben.

Ab Flensburg hiess es dann radeln und gleich nach dem Hafen ging es steil bergauf, dann wieder hinunter nach Glückstadt und so ging es weiter bis hier her nach Westerholz.

So hat uns die Nordsee mit Regen verabschiedet und die Ostsee mit Sonne und Bergen begrüsst. Mal sehen, wie es morgen weiter geht ...  

04.09.2024 - Herbst

Als wir heute morgen aufwachten, merkten wir ... es ist Herbst geworden. Der Zeltplatz, die Ostsee und der Blick nach Dänemark, die Morgensonne ... alles im Nebel. Da nützte es nicht viel, dass wir am Vorabend extra die Zelte nach dem Stand der Morgensonne aufgebaut hatten ...

Aber wir konnten die Zelte trotzdem fast trocken einpacken. Nach dem Frühstück begann unsere Radeletappe direkt mit einem Kaltstart, d.h. gleich nach der Ausfahrt vom Zeltplatz begann die erste Steigung ... eine von vielen. Der erste und einzige Regenschauer erwischte uns genau am Zeltplatz von Habernis. Dort konnten wir uns unterstellen und geschützt die Regensachen auspacken. Allerdings haben wir die relativ schnell wieder ausgezogen und dafür den Rest des Tages spazieren gefahren.

Hinter Dollerupholz dann plötzlich ein gemeinschaftlicher Aufschrei von uns beiden "wer machte denn sowas"? Nach einer rasanten Abfahrt folgte wieder ein Anstieg. So weit ok. Nur, die Abfahrt erfolgte auf einem strassenbegleitenden Radweg, der genau im unteren Knick endete und auf die Strasse wechselte. So ging der Schwung der Abfahrt in die Bremsen und wir strampelten die folgende Steigung mühsam wieder hinauf. Nun, die Antwort auf unsere Frage ist einfach ... niemand, der selbst Fahrrad fährt.

Hinter Steinbergholz wechselten wir auf die, zum Glück in der Karte beschriebene, Ausweichroute. Denn der offizielle Ostseeküstenradweg verlief über den Strand mit tiefem weichen Sand. Mit Gepäck unmöglich. So folgten wir dem strassenbegleitenden Radweg entlang der B199 bis nach Gelting. Bis Christine plötzlich rief  "ich hab nen Platten". Komisch war, wir haben das Loch im Reifen, nicht aber im Schlauch gefunden. Also Ersatzschlauch rein, aufpumpen und weiter. Doch halt, erst mal eine Mittagsstärkung vom Bäcker. Mir war heute nach Süssem. 

Die nächsten 20km bis nach Kappeln an der Schleimündung rollten wir locker dahin. Eispause am Hafen von Kappeln. Der Schlei ist ja quasi Deutschlands einziger Fjord, der sich von der Ostsee ins Landesinnere zieht. Weitere gut 20m lagen vor uns, immer im leichten Bergauf und Bergab und oft auf Grund von sandigen Strandwegen ins Landesinnere abweichend. Bis wir am Horizont die riesigen Bettenburgen des Ostseebades Damp erkennen konnten.

Nun, Damp haben wir im Prinzip komplett umfahren und den mittleren der 3 Campingplätze erreicht. Da wir heute recht früh auf dem Zeltplatz waren blieb auch genügend Zeit für ein Bad in der Ostsee. Es gibt sicher schönere Strände. Doch zumindest waren wir nun auf unserer Reise 1x in der Nordsee und 1x in der Ostsee baden. Ob ich noch weitere Möglichkeiten haben werde, werden Zeit und Wetter zeigen.

05.09.2024 - Umleitungen und Umwege

Nach einer wirklich milden Nacht weckte uns die aufgehende Sonne in unseren exakt nach Osten ausgerichteten Zelten. Der Wind die Morgensonne waren genau die richtige Mischung um unsere Zelte zu trocknen. Denn für mich war es heute besonders wichtig, alles trocken einzupacken. Bleibt doch das Zelt für die nächsten 5 Nächte eingepackt im Packsack. 

Unterstützt vom Nordostwind radelten wir gegen 09:45 los in Richtung Eckernförde. Und wenn wir von der blöden Umleitung entlang der B203 absehen - die zwar auf einem separaten Radweg aber eben doch immer parallel zur Bundesstrasse führte - rollte es richtig gut. Hier in Eckernförde wollte Christine, die ja morgen zurück nach Hause fährt, bereits einen Teil ihres Gepäcks per Post nach Hause schicken. Also nach der Post gefragt, gefunden, Paket gepackt und abgeschickt. Auch nutzten wir den Aufenthalt gleich noch für einen Mittagsimbiss, denn wer weiss, wann sich die nächste Möglichkeit dazu bietet. Eine wirklich gute Entscheidung ...

In Eckernförde verabschiedeten wir uns vorerst von der Ostsee und radelten in Landesinnere, in Richtung Nord-Ostsee-Kanal. Immer wieder warnten Schilder vor Radwegschäden, die durch die Wurzeln teilweise auch wirklich gross waren. Doch es rollte. Bis Haby - Umleitung wegen Strassenbauarbeiten. Nun, die Umleitung führte uns in die nächste Baustelle und unter den bösen Blicken der Bauarbeiter radelten wir durch die Baustelle. Der Radweg wurde erneuert und das Stück, das fertig war, war ein Traum zum Fahren.

So erreichten wir Sehestedt mit der Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal. Nur die Fähre fuhr heute nicht. Das hiess einen weiteren Umweg fahren bis zur nächsten Fähre und von dort zurück zu unserem Ziel in Felde. Der Weg war zu Beginn echt holprig und generell wegen des Gegenwindes, den wir nun hatten, sehr schwer zu fahren. Doch wir kämpften und liessen und nicht die Freude nehmen und erreichten schliesslich die nächste Fähre in Landwehr. Von dort, d.h. vom anderen Ufer, war es dann nicht mehr weit uns wir erreichten unser Ziel bei Beates Tante Inge in Felde. Und liessen uns von den beiden lieben Menschen richtig verwöhnen. Danke für die Gastfreundschaft.

Hier bleibt mein Fahrrad die nächsten Tage stehen, von hier fährt Christine morgen nach Hause und ich für das Wochenende zum Kunstfest nach Eisenach. Deshalb gibt es voraussichtlich bis Dienstag hier keine weiteren Radelgeschichten.

10.09.2024 - Es geht weiter ...

Die Pause ist vorbei, ich bin zurück aus Eisenach. zurück voller positiver Eindrücke unseres Kunstfestes, welches wir am Wochenende in der Alten Mälzerei gefeiert haben. Zurück nach zwei mehr oder weniger chaotischen Bahnfahrten auf Grund eines Brandes im Bahnknoten Elmshorn. Zurück auf dem Fahrrad ...

Nach einer weiteren Nacht bei Beates Tante in Felde habe ich heute morgen meine Taschen wieder gepackt und aufs Fahrrad geschnallt. Da ich noch einiges an Ausrüstung ausgetauscht hatte - z. Bsp. ein wärmerer Schlafsack -  führte mein erster Weg in Felde auf die Post um die nicht mehr benötigten Dinge nach Hause zu schicken. Und dann ging's wirklich los. Zuerst einmal von Felde in die Landeshauptstadt Kiel. Nach knapp 10km war ich an der Stadtgrenze, nach gut 15km im Zentrum. Dort wimmelte es von schwarz gekleideten Menschen. Was war da los? Die Full Metal Cruise von TUI hatte Passagierwechsel, d.h. 2500 schwarz gekleidete Metal Fans kamen vom Schiff, 2500 schwarz gekleidete Metal Fans wollten aufs Schiff. Und ich wollte so schnell wie möglich raus aus diesem Trubel, raus aus der Stadt. So habe ich zwar von Kiel ausser dem Hafen nicht viel gesehen. Doch ich wurde kurz darauf mit einem der bisher schönsten Stücke meines Weges belohnt.

Nachdem ich die Aussenbezirke von Kiel verlassen hatte, erreichte ich in Mönkeberg die Küste und konnte dann fast die ganze Strecke bis nach Behrensdorf direkt an der Küste entlang radeln ... einfach herrlich. Zunächst an der Kieler Förde entlang bis nach Laboe und dann entlang der Ostseeküste. Dabei unternahm ich ganz unbemerkt eine kleine Weltreise, heissen doch die Ortsteile von Schönberg durch die ich radelte Kalifornien und Brasilien ... ok, gemerkt habe ich davon nicht viel. Nach einer kleinen Kaffeepause am Schönberger Strand nahm ich dann die letzten Kilometer bis zu meinem Zeltplatz in Behrensdorf unter die Räder. Bereits um 15:30 war ich am Ziel. Da der Wetterbericht aber Regen gemeldet hat, wollte ich nicht noch weiter radeln sondern mein Zelt im Trockenen aufbauen und nach Möglichkeit auch noch draussen kochen. Nun, beides hat geklappt und es war sogar noch Zeit für eine kleine Spazierrunde zum Leuchtturm.

Nun aber sitze ich im trockenen Zelt und lausche dem Regen. Und werde wohl noch eine kleine Radreise mit dem Fahrrad-Pfarrer Gereon Alter unternehmen ...

11.09.2024 - Rumpel di Pumpel nach Fehmarn

Mein erster Gedanke heute Morgen war ja ... den Bericht überschreibst du mit "Im Regen nach Fehmarn". So sah jedenfalls der Wetterbericht für heute aus. 

Und ja, es hat die ganze Nacht geregnet, nicht doll sondern so, wie sich das jeder Kleingärtner wünscht, langsam aber stetig. Nun, mir als Radreisendem nützt das relativ wenig. Denn das Zelt war auch bei schwachem Regen nach einer Nacht nass, pflotschnass. Das klingt jetzt für euch wahrscheinlich schlimmer als es war, denn ich wusste, irgendwann auf der Reise passiert es. Und so habe ich heute Morgen meine Sachen im Regen gepackt und das Zelt nass eingepackt.

Als ich dann losradelte zeigten sich am Himmel erste blaue Streifen und es blieb den ganzen Tag trocken. Nur frisch war es heute, sehr frisch. Aber auch das ist im Herbst normal und hat mich nicht überrascht.

Und so habe ich in Oldenburg die Regensachen wieder in den Taschen verstaut und konnte ohne weiterfahren. Ich hatte eh auf dem Markt angehalten um mir frisches Gemüse zum Abendessen zu kaufen. Nach einem kurzen Stopp in der Kirche radelte ich weiter in Richtung Heiligenhafen. Und der Weg dorthin und weiter bis nach Fehmarn war alles andere als lustig ... holprig, grosse Risse im Asphalt, teilweise bis zu 10cm hoch. Da macht radeln echt keinen Spass mehr. Wenn du bergauf abbremsen musst weil der Weg zu schlecht ist. Diese Etappe bekommt heute definitiv die rote Laterne für die schlechteste Wegequalität.

Kaputt und verschwitzt brauchte ich in Heiligenhafen eine längere Pause. Nur draussen sitzen war nicht. Dafür war es zu kalt. Also suchte ich mir eine Gaststätte, bestellte Matjes mit Bratkartoffeln und ruhte mich aus. Für die weitere Holpertour bis nach Fehmarn.

Und dann hiess es noch einmal Kampf gegen den Wind, denn zum Campingplatz in Flügge musste ich nach Westen. Da brauchte ich in Orth nochmal eine Pause mit Kaffee und Kuchen.

Und somit war ich heute Abend viel zu satt um noch selbst zu kochen. Und da die Temperaturen eh für drin sitzen sprechen, hab ich im Campingplatzrestaurant noch ein Tomatensüppchen und zwei dunkle Flens genossen. Und gute Gespräche mit meinen Tischnachbarn ... 

12.09.2024 - Von Fehmarn nach Süden

Frisch war es heute Morgen. Nicht unbedingt einladend für ein Frühstück vorm Zelt. Aber dafür gab es ja auf dem Campingplatz eine Küche mit Herd und Tisch. Also hab ich nach dem Aufstehen erst mal in Ruhe Zähne geputzt, dann Brötchen geholt und anschliessend die Brötchen und meine komplette Küchentasche in die Campingplatzküche getragen. Da konnte ich dann gemütlich im Warmen frühstücken. Und mein Zelt im Morgenwind von der Nacht trocknen. 

Gegen 10:00 hatte ich mein Fahrrad wieder beladen und startete nach einem letzten Plausch mit meinen Nachbarn. Zunächst mal (fast) rund um Fehmarn. Vom Zeltplatz weg in Richtung Norden, am Jimi Hendrix Gedenkstein vorbei - hier auf Fehmarn gab er sein letztes Konzert vor seinem Tod im September 1970. Immer auf dem Deich auf herrlich glatten Naturwegen. So macht Fahrrad fahren Spass. Und die Landschaft, einfach ein Traum. Immer wieder hielt ich an um Fotos zu schiessen. Gottes Schöpfung ist einfach wunderschön. 

So erreichte ich Putgarden. Hier, an der schmalsten Stelle zwischen Deutschland und Dänemark wird gerade der Fehmarnbelttunnel gebaut. Dementsprechend umgepflügt sah es rund um Putgarden auch aus. Eine einzige riesige Baustelle. Ich hatte auf einen schönen Aussichtspunkt gehofft um mal einen Überblick zu bekommen - Fehlanzeige. So radelte ich dann durch das Inselinnere in Richtung Burg. Hier fand ich einen kleinen Park mit herrlichen Ruhebänken für meine Mittagspause. Denn ich hatte mir heute gleich noch zwei Brötchen geschmiert. Nur der Tee, den ich mir am Morgen gekocht hatte, war immer noch heiss. Also doch wieder die Wasserflasche rausgeholt.

Von Burg ging es dann wieder in Richtung Fehmarnsund. Erst mal unter der Brücke durch, dann über die Brücke und dann wieder unten durch. So erreichte ich Grossenbrode. Erinnerungen wurden wach. Hatte ich doch hier vor 12 Jahren mit Beate eine Ferienwohnung gemietet und wir hatten unseren Sommerurlaub hier verbracht. Vieles habe ich wieder erkannt, Vieles war nicht mehr da, wie der Bäcker und das Eiscafé.

Nach einer kleinen Stärkung (Eiskaffee) hiess es dann definitiv nach Süden, nach Süden ...

Bis Dahme oder vielleicht bis Grömitz ... mal sehen. Und es rollte. Ok, in Grossenbrode hatte der Wind oder ein anderer Scherzkeks den Wegweiser verdreht. Doch dann ... die Kilometer flogen nur so dahin. Zunächst durchs Landesinnere und dann zum Schluss noch einmal auf dem Deich. Ok, da merkte ich dann schon den Wind. Und so hab ich dann bei 94km aufgehört und mein Zelt aufgeschlagen. Und dann gemerkt, dass ich doch ziemlich kaputt war. Kochen ... nee ... ich hab mich bekochen lassen. Zum Glück gab's auf dem Zeltplatz eine Gaststätte.

Und da es zum draussen vor dem Zelt sitzen zu ungemütlich (kalt) ist, sitze ich jetzt im Zelt in der warmen Schnarchtüte und werde jetzt gleich nach hinten kippen ... 

13.09.2024 - Nach Travemünde

Herrlich habe ich letzte Nacht geschlafen und die Kaninchen rund um mein Zelt haben mich bewacht. Doch gegen 06:00 wurde ich von einem Geräusch geweckt, was ich so - gemäss Wetterbericht - nicht erwartet hatte. Regen ... ein kurzer aber völlig überflüssiger Schauer, doch das Zelt war nass. Doch was soll's ... das gehört dazu, damit kann ich leben.

Frische Brötchen gab es wieder auf dem Zeltplatz - ich hab zwar auch Müsli dabei, doch mit Wasser schmeckt es scheusslich. Frischen Kaffee gekocht, frische Brötchen, trockene Bank ... passt. Packen, Zelt abbauen, aufladen, bezahlen und los. Von Grömitz führte der Weg erst mal durchs Hinterland, d.h. von der Küste weg und damit verbunden auch bergauf und bergab. So habe ich auf dieser vergleichsweisse kurzen Etappe ganz ordentlich Höhenmeter absolviert. Von Pelzerhaken dann erst mal am Strand entlang bis Neustadt, wo ich mich 2x verfahren habe, einmal habe ich wohl ein Schild übersehen, 1x war wegen Baustelle keins da. Beim ersten Mal war ich schon ganz schön zu weit und musst ein ganzes Stück zurückfahren. Doch den Ehrenfriedhof für die Toten des Cap Arcona Unglücks wollte ich sehen. Hier wurden im April 1945 zwei mit KZ-Häftlingen vollgestopfte Schiffe gesprengt und versenkt. Vorbei am Hansa-Park erreichte ich Sierksdorf und ab da war es Spass. Wie Perlen an einer Schnur waren die Ferienorte am Radweg aufgefädelt ... Sierksdorf, Haffkrug, Scharbeutz, Timmendorfer Strand, Niendorf. Und der Weg führte immer flach am Strand entlang - herrlich. So erreichte ich Travemünde, schob durch die volle Fussgängerzone und dann auf die Fähre zum Priwall. Am geplanten Zeltplatz am Naturfreundehaus bekam ich heute eine Absage. Wir sind am Wochenende nicht da. Versuchen Sie es auf dem Campingplatz der DLRG. Nun den hatte ich schon gesehen, nicht aber den Eingang. Also neuer Versuch und zurück radeln. Und als ich wieder am Suchen nach dem Eingang war traf ich Lutz und Kerstin. Die hatten auf der Suche nach mir schon den Eingang und auch den Platzwart für die Anmeldung gefunden. Danke, ich hätte bestimmt noch ne Weile gesucht.

Der weitere Nachmittag war dann für Lübeck reserviert. Unsere Gasttanzlehrerin Ricarda Hennig wollte mir Lübeck zeigen. Also schnell duschen, umziehen, zurück zur Fähre und mit dem Schnellbus nach Lübeck. Ricarda zeigte mir die Stadt der 7 Türme, das schöne Rathaus der "Königin der Hanse", denn hier in Lübeck wurde die Hanse gegründet. Wir schauten von unten, von oben (Kirchturm) und mir gefällt Lübeck. Wir gingen durchs Fegefeuer, an der Hölle vorbei ins Paradies. Die vielen Informationen, die ich bekam, muss ich erst mal setzen lassen. Die Stadt hat Charme und ist wirklich schön. Nach einem gemeinsamen Abendessen mit richtig guten Gesprächen verabschiedeten wir uns und ich fuhr mit Schnellbus und Fähre zurück zu meinem Zelt.

14.09.2024 - Familientag in Lübeck

Der Herr wusste warum er mich auf diesen kleinen Zeltplatz geschickt hat. So eine tolle Infrastruktur für Radreisende. Sitzplätze draussen und drinnen, eine komplett eingerichtete Küche in der sogar frische Geschirrtücher hingen. Und alles im Preis enthalten. Damit bestätigt sich einmal mehr das Bild, das ich in den vergangenen 4 Wochen meiner Reise gewonnen habe. Je teurer und exklusiver der Campingplatz, desto schlechter in der Regel die Infrastruktur für Radreisende. Es gab Ausnahmen, aber in den meisten Fällen ist das so.

Heute Morgen hab ich mir im Edeka (500m entfernt) frische Brötchen geholt und dann in der windgeschützten Aufenthaltsecke meinen Kaffee gekocht. Dann etwas gewaschen und die Wäsche in den Wind gehängt.

Mit dem Fahrrad ging es dann hinein nach Lübeck. Also erst mal zur Priwallfähre. Dort war ich am Travemünder Ufer mit Lutz und Kerstin verabredet. Gemeinsam radelten wir dann in Richtung Lübeck. Der Weg war gut ausgeschildert, bis er an einer Bushaltestelle im Nirgendwo plötzlich endete. Was nun? Shuttle Bus stand an der Haltestelle. Dann machte es bei mir Klick, denn gestern war ich mit dem Schnellbus auch durch einen Tunnel gefahren. Der Herrentunnel, der zwischen Travemünde und Lübeck die Trave unterquert ist für Radfahrer und Fussgänger gesperrt. Und dafür gibt es den kostenlosen Shuttlebus. Auf der anderen Seite fehlte dann an einem Abzweig ein Schild, aber da kamen zum Glück gerade andere Radfahrer. Auf einem separaten Weg neben der Hauptstrasse rollten wir dann hinein nach Lübeck. An der Jacobikirche schlossen wir unsere Räder an und begaben uns zu Fuss in die Stadt. So konnte ich vieles von dem, was mir gestern Ricarda erzählt hatte, gleich wieder weiter geben und es mir so sicher auch besser merken. Heilig Geist Spital, Marienkirche, Rathaus, Dom, Petrikirche (wo wir mit dem Aufzug auf den Turm fuhren und uns Lübeck von oben anschauten) und Holstentor hiessen die Stationen.

Gegen 14:30 Uhr verabschiedeten wir uns bei unseren Rädern und ich radelte zu meiner Cousine nach Lübeck St. Gertrud. Oder zumindest wollte ich das. Doch zuerst musste ich noch einmal durch die Fussgängerzone und das Radel schieben. Aber dadurch habe ich dann doch noch einen Blumenladen entdeckt und brauchte nicht mit leeren Händen zu klingeln. Es folgte ein wunderschöner Nachmittag und Abend mit meinen Cousinen und Cousins, die ich 15 Jahre oder länger nicht gesehen hatte. Am Abend schwang ich mich dann wieder aufs Rad, fuhr zum Hauptbahnhof und mit dem Zug nach Travemünde Strand. Und von dort dann weiter zu meinem Zeltplatz.

15.09.2024 - Bergetappe auf die Insel Poel

Ja, das war es wirklich. So viele Höhenmeter wie heute hatte ich in den vergangenen 4 Wochen noch nicht zu bewältigen. Und die Hinweisschilder haben dazu gepasst. Doch dazu später mehr ...

Gegen 10:00 Uhr hatte ich mein Zelt abgebaut und alles Gepäck verladen. Von den Temperaturen war es zwar - vor allem im Schatten - heute Morgen noch echt frisch, doch ich konnte ohne Jacke losfahren. Bereits nach rund 1km - am Ende des Priwalls - rollte ich unbemerkt über die ehemalige innerdeutsche Grenze und von dort auf dem ehemaligen Kolonnenweg der DDR-Grenztruppen in Richtung Boltenhagen. Auch hier - und das wird in den kommenden Tagen so bleiben - wurden Erinnerungen wach. War ich doch genau diesen Weg im Sommer 2019 mit Beate zu Fuss gelaufen. Und so war Beate heute in Gedanken immer bei mir.

Kurz vor Gross Schwansee steht am Weg noch einmal ein Gedenkstein für die Opfer der Cap Arcona Tragödie. Hier, vor Gross Schwansee wurden nach dem Unglück über 400 Leichen angespült und begraben.

Leider wird an die vielen anderen Tragödien, die sich in der Zeit der DDR dort ereignet haben, nicht erinnert. Die einzige Hinweistafel auf die ehemaligen Grenzanlagen ist bis zur Unlesbarkeit abgekratzt. Auf Grund der Nähe, der kurzen Entfernung, der fehlenden Mauer haben viele DDR-Flüchtlinge versucht auf diesem Weg zu entkommen. Die aller wenigsten haben es geschafft. Und ich finde, auch das ist ein trauriges Kapitel unserer Geschichte, welches nicht vergessen werden darf.

Zu meiner Freude entdeckte ich dann auf einem Feld etwas leuchtend rotes. Das ich jetzt, im September, auf meiner Reise noch blühende Mohnblumen finde, damit habe ich nicht gerechnet. Und kurz vor Wismar gleich noch einmal.

In Boltenhagen gab es wieder mal Fischbrötchen zum Mittag, denn ich hatte die Hälfte des Weges bereits hinter mir ... dachte ich zumindest. Rein rechnerisch wäre da sogar die Fähre nach Poel um 14:00 Uhr drin gewesen. Aber das war gar nicht mein Ziel. Und hinter Wohlenberg bekam ich dann auch die ersten Zweifel am richtigen Weg. Plötzlich stand auf einem Wegweiser "Oberhof 1km" und gleich darauf "Sommerbiathlon" ... Wenn da nicht auf der linken Seite immer noch die Ostsee gewesen wäre ... Und zu den gefahrenen Höhenmetern passte es ja auch noch.

Am Ortseingang Wismar dann - wie in vielen Städten, durch die ich geradelt war - fehlende Ausschilderung. Gemeinsam mit anderen Radlern fand ich mich in einer Sackgasse in Mitten einer Kleingartenanlage wieder. Zum Glück kam da gerade ein einheimisches Pärchen spazieren und schickte uns wieder auf den richtigen Weg. Damit war aber die Fähre weg und ich hatte am alten Hafen Zeit zum Nichtstun, zum Eis essen, zum Leute beobachten ... Auch mal schön.

Um 16:30 war ich dann  mit 6 anderen Passagieren auf dem Schiff und wir hatten so fast eine Privatfahrt zur Insel Poel. Die Fähre war komplett elektrisch betrieben. Das war schon toll, so leise durch die Ostsee zu rauschen. So stelle ich mir das auf einem Segelschiff auch vor. Und jetzt sitze ich auf dem Zeltplatz am Leuchtturm in Timmendorfer Strand - auf der Insel Poel wohlgemerkt. Zurückgefahren bin ich nicht. Und hier hab ich es trotz Abendessen kochen geschafft, noch den Sonnenuntergang einzufangen ... 

16.09.2024 - Gegen den Wind

Heute hat er mich erwischt, der Nordwind ... den heute führte meine Route zum grössten Teil in Richtung Norden bzw. Nordosten.

Die Nacht war relativ mild und daher mein Zelt am Morgen nicht allzu nass und beim Einpacken sogar richtig trocken. Und das war heute wichtig, bleibt doch das Zelt jetzt noch einmal für 2 Nächte in der Tasche und ich schlafe bei meinem lieben Freund Uli in Warnemünde auf der Couch. 

Gegen 09:30 hatte ich alles verpackt und verladen und startete zunächst mal zur Umrundung der Insel Poel - nach Norden. Über schöne Waldwege und wenig befahrene Nebenstrassen rollte ich dahin, erreichte in Malchow den Schaugarten der TU Wismar. Hier werden u.a. Pflanzen für die Industrie erforscht. Ein kurzer Stopp. Vieles war verblüht, manches etwas ungepflegt. Aber der Geruch des Kräutergartens war wunderbar. 

Über die Landanbindung erreichte ich in Gross Strömkendorf wieder das Festland und der Weg, dem Küstenverlauf folgend, wendete sich nach Nordost. Doch nicht nur das ... zusätzlich zum Gegenwind ging es auch noch bergauf. Aber jammern nützt und ändert nichts. Also losgestrampelt. In Rerik hatte ich dann bereits 41km auf dem Zähler und endlich eine Möglichkeit für eine Mittagspause (mit Fischbrötchen) gefunden. Richtig kalt war mir nach der Pause und ich hab sogar die Handschuhe aus der Tasche geholt. Die habe ich aber recht schnell, nach der ersten Steigung am Grosssteingrab wieder ausgezogen. Kurz vor Kühlungsborn ändert sich der Küstenverlauf und der Weg führt eher ostwärts. Es war zwar dann immer noch kein Rückenwind, aber eben auch nicht mehr von vorn. Gegen 16:30 erreichte ich dann Warnemünde. Treffpunkt mit Uli war - wie vor 10 Jahren - am Leuchtturm.

Nach dem Duschen zogen wir noch eine Runde zu Fuss durch Warnemünde und am Abend hat Uli wieder ganz lecker für mich gekocht.

17.09.2024 - Ruhetag in Warnemünde

Herrlich, ausschlafen, an den gedeckten Frühstückstisch setzen, einfach mal nichts tun ...

Ok, so ganz nichts haben wir natürlich auch nicht gemacht. Nach dem Frühstück erst mal einkaufen. Denn bei meinen Vorräten war der Kaffee alle. Und übermorgen früh ohne Kaffee ... nee, das geht gar nicht.

Danach sind wir mit der Fähre nach Hohe Düne und am Strand entlang gewandert. Die Handtücher, die Uli für uns eingepackt hatte, blieben aber im Rucksack. Denn von den versprochenen 24 Grad und der Sonne haben wir leider nicht viel gesehen.

Dafür am Strand eine Bank mit Sonnenschirm und Telefon! Endlich mal jemand am anderen Ende der Leitung der zuhört ... Und der Strand, den mir Uli zeigen wollte ... da war auch nicht mehr so viel da. Das Wasser der Ostsee hatte den Strand ganz schön weggespült.

Zurück an der Strandresidenz Hohe Düne bummelten wir durch dieses Luxusresort, vorbei an der Robbenstation zum roten Leuchtfeuer. Ein Punkt von Warnemünde, an dem ich persönlich noch nicht war. Danach aber spürte ich ein gewisses Defizit in der Magengegend ... Zeit für ein Fischbrötchen am Alten Strom in Warnemünde.

Nach einer gemütlichen Kaffeepause bei Uli bummelten wir noch über den alten Friedhof von Warnemünde mit dem Grab des ersten Lotsenkapitäns Stephan Jantzen. Nach dem Abendessen gab's noch ein oder zwei Gläschen Wein mit Ulis Tochter Anja. Und so geht wieder ein wunderschöner Tag meiner Reise zu Ende. Danke, dass ich das alles so erleben darf, danke für die Menschen, die meine Reise begleiten ...

18.09.2024 - Begegnungen

Nach einer weiteren, wunderbaren Nacht auf Uli´s Couch und einem Frühstück, um das ich mich nicht kümmern musste, hiess es Abschied nehmen. Abschied von meinem lieben Freund Uli, Abschied von Warnemünde ...

Mein Weg führte heute in Richtung Nordosten auf den Darss. Also genau in die Richtung, aus der der Wind kam. Zum Glück nicht allzu heftig ...

Erst einmal radelte ich wieder zur Fähre nach Hohe Düne. Gleich zwei Kreuzfahrtschiffe lagen heute am Pier von Warnemünde und nach Anlegen der Fähre hinter mir. Durch Markgrafenheide hindurch erreichte ich das Waldgebiet der Rostocker Heide. Der Radweg führte direkt hindurch bis nach Graal-Müritz. Hier, nach 17km der heutigen Etappe knackte ich die 1500km Marke meiner Tour. Hier in Graal-Müritz haben Beate und ich vor 5 Jahren unsere Ostseewanderung abgebrochen, weil das Verhältnis von Wandern zu den verfügbaren Übernachtungen (nur 4 Sterne Hotels) nicht passte. Durch diesen Abbruch habe wir unser schönes Atelier in Eisenach gefunden. Doch das ist eine andere Geschichte ...

Weiter ging's in Richtung Dierhagen Strand und nach einer kleinen Stärkung weiter auf dem Deich in Richtung Wustrow. Und hier auf dem Deich kam mir Ulis Tochter Anja entgegen, auf dem Rückweg von ihrer heutigen Radeltour. Schön, dass wir uns noch einmal getroffen haben.

Von Wustrow führte der Weg entlang der Steilküste ins Künstlerdorf Ahrenshoop und kurz darauf an die Boddenseite des Darss. Erst durch die Natur und dann durch die beiden schönen kleinen Dörfer Born und Wieck. Auch wenn's noch früh am Tag war, in Wieck war mir nach Kaffeepause mit leckerem Heidelbeer-Eierlikör Kuchen. Damit war ich gut gestärkt für die letzten Kilometer bis nach Zingst. Und hier erwartete ich dann - Begegnung Nr. 2 - meinen Freund Volker, der die nächsten Tage gemeinsam mit mir unterwegs sein wird.

Nach einem Strandspaziergang, bei dem wir wieder einmal die Handtücher - wegen Wind und fehlender Sonne - spazieren trugen, liefen wir dann am Abend noch einmal nach Zingst zum Nachtessen. Der erhoffte Sonnenuntergang blieb leider hinter den Wolken verborgen. 

19.09.2024 - Erinnerungen und Emotionen

Die Nacht war mild und so war das Zelt am Morgen komplett trocken. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit frischen Brötchen und frischem Kaffee konnten wir das Zelt einfach abbauen und einpacken. Und das hiess für mich - das Gepäck nicht aufs Fahrrad sondern in Volkers Auto verladen. So werden die kommenden Tage für mich ganz entspannt, denn ich kann ohne Gepäck fahren.

Die heutige Etappe und vor allem der Abschnitt zwischen Barth und Stralsund bietet nicht viel Abwechslung. Das ist ein Abschnitt zum  "Strecke machen", zum einfach radeln, zum Gedanken fliegen lassen.

Und so kamen auch bei mir die Erinnerungen ... 

Die Erinnerungen an diesen Weg, den ich im September vor 11 Jahren mit Beate geradelt war. Das Wetter war damals so schlecht, dass wir nie länger als 10 Minuten Pause machen konnten, weil wir dann anfingen zu frieren. Seit dieser Tour hatte Beate jegliche Freude an Radreisen verloren. 

Die Erinnerungen an die Zeit vor einem Jahr. Als ich mit Beates Krankheit am Ende meiner Kräfte war, um eine Lösung gebetet hatte und genau heute vor einem Jahr die Zusage für den Hospiz-Platz bekommen hatte.

Die Erinnerungen, welche Freude Beate hatte, beim Anblick der ersten glänzenden Kastanien, die auf der Erde lagen. 

Das alles weckte Gefühle und Emotionen in mir ... Traurigkeit, ja aber auch Dankbarkeit, dass alles so gut gelaufen war, dass ich jetzt diese Reise unternehmen kann. Da war es mir egal, dass ich dauernd anhalten und mir die Nase putzen musste.

In Stralsund am Hafen habe ich dann Volker wieder getroffen. Und endlich gesellte sich auch die lange von den "Wetterlügnern" versprochene Sonne hinzu. So konnten wir am Markt dann in der Sonne Kaffee und Kuchen geniessen und hatten nebenbei gratis noch ein wunderbares Klavierkonzert dazu. Das nenne ich Leben.

Mit dem Radel ging es dann über die alte Rügendammbrücke hinüber auf die Insel Rügen nach Altefähr. Und nach dem Zeltaufbau schien die Sonne immer noch ... und das hiess für uns ... ab an den Strand ... ab in die Ostsee. Ok, der Strand hier am Zeltplatz ist sehr, wirklich sehr schmal. Aber egal, wir waren heute wieder in der Ostsee baden.

Und weil der Tag so gut war, gönnten wir uns das Abendessen heute beim Griechen ...

20.09.2024 - Rund um Rügen I

Die Nacht war mild aber trotzdem unwahrscheinlich feucht. Unsere Zelte waren klatschnass vom Tau. Trotz Morgensonne mussten wir sie relativ nass einpacken. Da merken wir, dass es Herbst ist. Da gehört es fast dazu ... auch wenn nicht jeder Tag gleich ist.

Auch heute war ich froh, auf manchen Wegabschnitten sogar sehr froh, dass ich wieder ohne Gepäck fahren konnte. Denn manche Abschnitte - vor allem die, die vor Jahren mal asphaltiert oder gepflastert, dann aber sich selbst überlassen wurden - waren grottenschlecht und fürchterlich holprig. Da liess sich jeder Naturweg besser fahren.

Mein Weg führte heute entlang der Westküste der Insel Rügen nach Norden. Über Rambin, wo ich die Inselbrauerei suchte aber nicht fand radelte ich in Richtung Gingst. Die kleine Kultur- und Wegekirche in Landow hätte ich garantiert übersehen. Aber dank des Tipps von Andrea gestern in den Kommentaren habe ich in Landow gebremst und die Kirche gesucht. Versteckt hinter Bäumen habe ich sie gefunden und diesen Stopp nicht bereut. Ein kleines gotisches Backsteinkirchlein, gefüllt mit ganz viel Kunst und Gedichten. Ein wunderbarer Ort zum Verweilen und pausieren. Das muss sich wohl auch mein Fahrradcomputer gedacht haben, denn der hat einfach mal die Strecke gespeichert und sich zurückgesetzt. Aber von wegen Feierabend. Der grösste Teil des Weges lag noch vor mir und die Kilometer werden heute Abend zusammengerechnet. 

Weiter nach Gingst und dann über Trent zur Wittower Fähre. Am gegenüberliegenden Ufer wartete dann Volker mit dem Fahrrad auf mich. Gemeinsam radelten wir durch Wiek und Starrvitz in Richtung Kap Arkona. Und dass hiess noch einmal gegen den Nordostwind ankämpfen. Er hatte gegenüber heute Morgen aufgefrischt und bliess uns auf dem freien Feld recht kräftig entgegen. Besser wurde es erst auf den letzten Kilometern vorm Kap Arkona, als wir dann windgeschützt durch den Wald oberhalb der Steilküsste radelten. Und so erreichte ich wieder - nun schon zum 3. Mal - Kap Arkona mit dem Fahrrad, heute gemeinsam mit Volker. 

Von dort rollten wir mit Rückenwind und tendenziell bergab in Richtung Altenkirchen. Volker holte noch das Auto zum Zeltplatz, während ich uns schon mal anmeldete. Zelte aufbauen, ein kurzer Besuch am Strand, der aber mit trockenen Handtücher endete und dann wurde gekocht. Nun liegen wir in unseren Zelten und spüren schon die kommende Feuchtigkeit. Mal sehen, wie das morgen früh aussieht.

21.09.2024 - Rund um Rügen II - Die Bergetappe

Die heutige Etappe war ich bereits 2x (2014 und 2023) zumindest bis Binz gefahren. Ich wusste also, was vor mir lag. Umso dankbarer war ich, dass ich dieses Jahr ohne Gepäck fahren konnte. Danke Volker für den Gepäcktransport.

Nach dem Frühstück packten wir die, vom Morgentau immer noch nassen, Zelte wieder ein und in Volkers Auto. Volker fuhr in Richtung Lohme und ich radelte ebenfalls los, leicht und mit Rückenwind. Durch Juliusruh hindurch erreichte ich die Schabe und radelte oder flog schon fast auf dem ausgebesserten Radweg entlang. Die schlimmsten Stellen hatten es ja sogar bis in meinen Reiseführer geschafft. Doch davon habe ich heute nichts mehr gespürt. Hinter Glowe wechselt der Weg ins Landesinnere, vorbei am Spykerschen See und am Schloss Spyker. 

Und danach beginnt sie, die Bergstrecke. 462 Höhenmeter waren es heute Abend und es hätten noch mehr sein können ...

Die Endmoränen der letzten Eiszeit haben hier, auf der Halbinsel Jasmund bis zu 150m hohe Berge zurückgelassen. Und die galt es zu erklimmen. Also hinauf nach Bobbin und weiter nach Neddesitz. Am Berghang waren auch hier im Landesinneren Kreidefelsen zu erkennen und in Gummanz gibt es auch ein Kreidemuseum. Im stetigen und heftigen auf-und-ab erreichte ich gegen 11:30 Lohme. Hier wartete Volker mit seinem Fahrrad und gemeinsam radelten wir weiter hinauf bis zum Nationalparkzentrum am Kreidefelsen. Wir liefen über den Skywalk über die Kreidefelsen, die leider wegen der grossen Abbruchgefahr nicht mehr direkt betreten werden dürfen. Vor 10 Jahren konnte ich das noch. Nach einer Mittagspause schauten wir uns im Aussengelände noch etwas um, gingen noch einmal auf den Skywalk. Doch der Unterschied zwischen Sonne und Schatten war heute temperaturmässig besonders stark zu spüren. Naja, ist ja auch Herbstanfang.

Auf dem Weg zurück trennten sich dann unsere Wege. Volker fuhr zurück zum Auto und via Prora mit Badestopp nach Göhren. Ich nahm während dessen den holprigen bergauf-bergab Weg nach Sassnitz unter die Räder. Ohne Gepäck und ohne Zerrung im Oberschenkel (wie im letzten Jahr) lässt er sich fahren. Und da ich den Weg vom letzten Jahr kannte, konnte ich auch ab und an etwas Schwung aus der Abfahrt in die nächste Steigung mitnehmen.

Für einen Badestopp in der Prorer Wieck fehlte mir dann aber leider die Zeit. Denn ich hatte mir für heute noch ein anderes Highlight ausgesucht. Von Binz aus wollte ich mit dem Rasenden Roland, d.h. mit der Schmalspurbahn Göhren erreichen. Und da gab es halt einen Fahrplan. Und weil nicht DB fuhren die Züge auch pünktlich. Und so sausste ich förmlich durch Prora und durch Binz und war rechtzeitig am Bahnhof. Jetzt begann die Entspannung. Dampflok atmen und geniessen ... Und noch ein paar Höhenmeter sparen.

Der Campingplatz in Göhren liegt direkt am Bahnhof und dort wartete Volker schon. Einchecken, Zelte aufbauen - mitten im Wald - und dann zurück zur Ostsee, zur Promenade ... Und weil Samstag war, war Konzert in Göhren, verschiedene Künstler wechselten sich fast nahtlos ab, Country, Klassiker einfach schön, einfach live. Und so gab es das Abendessen dann auch gleich dort und wir hörten zu, bis uns kalt wurde.

So geht wieder ein wunderbarer und gelungener Tag zu Ende. Danke Herr ...  

22.09.2024 - Rund um Rügen III

Tag 3 unserer Radelrunde rund um die Insel Rügen. Nach dem Westen und der Ostküste stand heute der Süden der Insel auf meinem Routenplan. Und ich muss - jetzt am Ende des Tages - sagen, ich habe diesen Teil der Insel Rügen völlig unterschätzt. Die Halbinsel Mönchgut und auch die Gegend um Putbus herum sind wunderschön. Unberührte Natur, abseits der grossen Urlauberströme, kleine gemütliche Dörfchen, herrlich, bergig auch, einfach schön. Hätte ich das vorher gewusst, wir wären sicher 2 Nächte in Göhren geblieben.

So aber bin ich am Morgen wieder losgeradelt über Lobbe, Middelhagen, Moritzdorf, Gross Stresow und Vilmnitz nach Putbus. Hier wartete Volker wieder auf mich und gemeinsam radelten wir nach der Mittagspause durch den Schlosspark, freuten uns an den vielen Rosen, die überall in Putbus blühen, an der Herbstsonne und den bunten Farben des Herbstes. Denn der ist mittlerweile überall erkennbar.

Zurück aufs Festland wollten wir aber nicht wieder über den Rügendamm, sondern mit der Fähre von Glewitz nach Stahlbrode. Ausgemachter Treffpunkt war Stahlbrode, denn dort war auch unser heutiger Zeltplatz. Über mehr oder weniger holprige Wege radelte ich durch den Wald auf einer ehemaligen Bahntrasse nach Garz. Da dort die Ausschilderung des Ostseeradweges etwas verwirrend war, nahm ich dann den direkten Weg entlang der Strasse nach Glewitz und wurde dafür mit einem wunderschönen glatten Radweg belohnt. Kurz vor der Fähre überholte mich Volker mit dem Auto. Wenig später überholte ich dann Volker wieder ... in der Warteschlange an der Fähre. Während ich als Radfahrer sofort die nächste Fähre hätte nehmen können, musste Volker warten. Erst auf die 3. Fähre passte sein Auto mit drauf. Aber Warten in der Sonne und nichts tun zum Sonntag sind auch nicht schlimm. Und ich hab einfach mit gewartet, so dass wir dann gemeinsam auf der Fähre waren. Vom Anleger in Stahlbrode war es dann nicht mehr weit bis zum Zeltplatz.

Für den Abend hatten wir uns Greifswald vorgenommen und nahmen für diesen Weg aber das Auto. Greifswald hat eine wunderschöne und gepflegte Altstadt, durch die wir bummelten, den schönen alten Hafen am Ryck und gemütliche Gaststätten zur Stärkung. Den Sonnenuntergang am alten Hafen gab es gratis dazu, Sanddornradler und Brauhausburger danach. 

23.09.2024 - Auf nach Usedom

Auf nach Usedom ... ja, ich nähere mich meinem Ziel. Morgen sind es noch ca. 40 - 50 km, dann habe ich mein Ziel Swinemünde erreicht.

Die Chefin vom Campingplatz in Stahlbrode hatte uns einen perfekten Platz für die Morgensonne - zum Trocknen unserer Zelte - versprochen ... ich glaube, das üben wir noch mal. Und so packten wir nach dem Frühstück unsere Zelte - wieder einmal - nass ein. Egal, das ist im Herbst halt so.

Ein letztes Mal konnte ich heute Morgen ohne Gepäck starten. Vorbei an der kleinen Backsteinkirche von Reinberg holperte ich zunächst einmal gut 6km auf der alten Kopfsteinpflasterstrasse dahin. Ok, ich hatte schlechtere Wege auf dieser Reise - anstrengend war es trotzdem. Aber dann, dann begann der neu ausgebaute Radweg in Richtung Greifswald ... glatt und den Wind aus der richtigen Richtung ... ich flog förmlich dahin.

In Greifswald wollte ich noch den Dom besichtigen, denn der war gestern Abend schon geschlossen. Leider waren im Dom sehr viele Schulklassen. Grundsätzlich finde ich das ja schön. Doch als eine Lehrerin! dann lauthals im Dom ihrer Klasse verkündete, dass ein Toilettenbesuch 50 Cent kostet, da war mir klar, das ist nicht der Ort der Ruhe, den ich suchte. Vorbildwirkung???

Die Ruhe fand ich dann wieder auf dem Fahrrad. Immer am Wasser, immer am Ryck entlang führte der Radweg in die Greifswalder Vororte Wieck und Eldena. Beide, Wieck mit der alten Zugbrücke und Eldena mit der Klosterruine, kannte ich von den Urlauben, die ich als Kind mit meinen Eltern Ende der 70er Jahre in Greifswald verbrachte. Und im herrlichen Park an der Klosterruine legte ich dann gleich meine Mittagspause ein. Beim Brötchen holen am Morgen hatte ich mir vom Fischer ein Stück geräucherte Buttermakrele mitgenommen. Hmm, das war lecker.

Auch den folgenden Weg, die folgenden Orte Ludwigsburg, Loissin und Lubmin kannte ich aus den Urlauben mit meinen Eltern. Fuhren wir wir doch meist mit dem Bus in einen dieser Orte an den Strand. Und auch ich habe heute in Lubmin das schöne Wetter genutzt um noch einmal in der Ostsee zu baden. Sicher nicht an der gleichen Stelle wie damals aber doch am gleichen Ort.

Nach einer Stärkung beim Bäcker nahm ich dann den Rest meiner Etappe in Angriff. Vorbei am stillgelegten Kernkraftwerk Lubmin war es nicht mehr weit bis zur Fähre in Freest. Nur, die Fähre war kaputt und fuhr nicht. Und das hiess für mich, den Umweg über Wolgast zu fahren. Na gut, dann habe ich halt noch etwas mehr von diesem vielleicht letzten Tag mit so fantastischem Radelwetter.

Selbst die, wie immer in Städten, schlechte Ausschilderung in Wolgast konnte mir die Laune nicht verderben.

Über die Brücke über den Peenestrom erreichte ich dann die Insel Usedom. Und über Trassenheide war es dann nicht mehr weit bis zum Dünencamp in Karlshagen, wo Volker schon auf mich wartete. Auch er hatte den Tag genutzt um Orte zu besuchen, die Erinnerungen in ihm weckten. So hat das heute wieder perfekt für uns beide gepasst.

Nach einem kleinen Bummel durch Karlshagen entschieden wir uns heute Abend - zum Abschluss unserer gemeinsamen Zeit - für den Italiener. Eine gute Wahl.

Morgen, nach dem Frühstück fährt Volker dann wieder nach Hause und ich nehme, so wie es sich gehört wieder mit Gepäck (wahrscheinlich aber nicht mit allem), die letzten Kilometer meiner Reise unter die Räder. 

Und mit Blick auf den Wetterbericht habe ich mir für Swinemünde ein Zimmer gebucht. Da macht es auch nichts, dass heute Abend auch der Reissverschluss am 2. Eingang meines Zeltes nicht mehr wollte. Für diese Nacht hilft Klebeband und dann sehen wir weiter ...

24.09.2024 - Mit leichtem Gepäck ans Ziel

Der Herr meint es echt gut mit mir und meiner Reise ...

Heute Morgen waren - entgegen dem Sand am Strand, entgegen Volkers Auto - unsere Zelte und alles um uns herum trocken, richtig trocken. Doch der Reihe nach ...

Der Tag begann - wie jeder Tag - mit dem Sonnenaufgang. Nur, heute sassen wir am Strand und schauten zu. Es müssen ja nicht immer Sonneuntergänge sein. Und auf Usedom klappt das mit dem Sonnenaufgang einfach besser.

Nach dem Frühstück hiess es dann packen. Volker hatte mir angeboten alles, was ich nicht mehr brauche, mitzunehmen und bei Gelegenheit nach Eisenach zu bringen. Und so wurde der grosse Packsack mit Zelt, Isomatte und Co. heute noch etwas voller. Kocher, Töpfe, Wechselschuhe ... all das brauche ich nicht mehr. Und so hatte ich dann ca. 10kg weniger Gepäck zu transportieren. Vor allem für die Heimfahrt mit der Bahn war mir das wichtig. Und genial war eben, dass ich auch das Zelt trocken einpacken konnte. So spielt es keine Rolle, wann Volker nach Eisenach kommt. Mit einem nassen Zelt hätte das nicht geklappt. Und wenn ich jetzt aus meinem Fester sehe ... es ist kalt und regnet ... alles richtig gemacht.

Via Trassenheide erreichte ich in Zinnowitz wieder die Küste und dann radelte von Urlaubsort zu Urlaubsort - Zempin, Koserow, Ückeritz, Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck. Wie Perlen an einer Schnur aufgereiht am Radweg. Hinter Koserow wurde es dann noch mal richtig heftig. Gut, dass ich dort zur Stärkung noch mal ein Fischbrötchen genommen hatte. Zwei deftige 16% Steigungen lagen vor mir. Die hab ich aber auch mit leichtem Gepäck hochgeschoben. Ansonsten führte der Radweg fast immer schön durch den Wald. Die Orte selbst habe ich meist schnell durchradelt. Nach schlechtgelaunten Urlaubern, die nur am Meckern waren, dass früher alles besser und alles billiger war, stand mir nicht der Sinn. Leider muss ich solche Gespräche vom Nachbartisch halt manchmal mit anhören.

Gegen 13:45 Uhr erreichte ich dann die deutsch - polnische Grenze zwischen Ahlbeck und Swinemünde. 1950km habe ich zurückgelegt, seit ich vor 5 1/2 Wochen am 19.08. in Papenburg gestartet bin. Und beim Erreichen dieses Ziels wurde mir bewusst, dass ich genau vor einem Jahr, am 24.09.2023 begonnen hatte, diese Reise zu planen. Damals brauchte ich einfach mal positive Gedanken und Ziele für mich. Heute sind diese Gedanken und Ziele Wirklichkeit geworden.

Hier in Swinemünde spüre ich jetzt erst mal eine grosse Müdigkeit, vielleicht sogar eine gewisse Leere. Denn für morgen habe ich keinen Plan. Aber es ist sicher gut, diesen Tag morgen hier zu verbringen und alle Erlebnisse erst mal zu verarbeiten. 

Am Donnerstag fahre ich dann nach Berlin zu einer lieben Freundin. Denn diesen Abend, 6 Monate nachdem Beate von uns gegangen ist, möchte ich nicht allein verbringen. Und am Freitag bin ich dann - so die DB will - um 15:49 Uhr wieder in Eisenach. Ein wenig graut es mir davor, die leere Wohnung, allein ...

Na mal sehen.

Und für alle die, die jetzt traurig sind, weil die Geschichten dem Ende zu gehen ... morgen gibt es sicher noch mal eine Geschichte. 

25.09.2024 - Dankbar

Die schlechte Nachricht zu aller erst. Dies ist die letzte Geschichte von dieser Reise. Morgen trete ich - nach 5 1/2 Wochen Radelzeit - die Heimreise an. Doch nach der Reise ist vor der Reise. Und so werde ich, neben dem Sichten und Verarbeiten all der Fotos, auch bald mit der Planung der nächsten Reise beginnen. Und für alle, die nicht so lange warten möchten gibt es die Geschichten dieser Reise spätestens im kommenden Frühjahr in komprimierter Form in Eisenach zu hören und zu sehen ...

Als ich heute Morgen aufwachte, war ich vor allem von einem Gefühl erfüllt - Dankbarkeit! Dankbar, dass ich diese Reise unternehmen konnte, dankbar, dass ich sie ohne grössere Pannen geschafft habe, dankbar für die Menschen die mit mir unterwegs waren oder die ich getroffen habe, dankbar für alle, die fleißig Kommentare geschrieben haben. Ich habe mich immer darüber gefreut, auch wenn ich nicht darauf geantwortet habe. 

Es war gut, diesen einen Ruhetag hier in Swinemünde zu verbringen und das Erlebte etwas setzen zu lassen. Gut auch, weil ich diesen Tag nicht ganz allein verbringen musste. Mein Cousin Markus ist mit seiner Freundin gerade hier im Urlaub und da er Swinemünde kennt, konnte er mir vieles zeigen. So trafen wir uns am Vormittag zu einem Kaffee, bummelten ein wenig durch die Stadt, löschten unseren Durst am alten Hafen und assen typisch polnisch zu Mittag. Die Gurkensuppe, die ich hatte, war aber auch lecker.

Nach einer kleinen Mittagspause im Hotel zog es mich dann noch einmal zum Strand. Mit dabei einer der leckeren Berliner, die mir Markus empfohlen hatte. Dazu ein Kaffee im Liegestuhl an der Strandbar. Ein letztes Mal auf die Ostsee schauen, ein letztes Mal Schiffe gucken ...

Den Abschluss des Tages bildete ein gemeinsames, ganz leckeres polnisches Abendessen.

Und so geht heute nicht nur ein weiterer guter Tag sondern meine gesamte Reise voller Dankbarkeit zu Ende.

 

Herr Jesus ich danke Dir,

ich danke Dir, dass ich diese Reise unternehmen durfte,

dass Du mich die ganze Zeit über behütet und beschützt hast, ich danke Dir für die Kraft, die Du mir gegeben hast mein Ziel zu erreichen.

Ich danke Dir für die lieben Menschen, die mit mir geradelt sind,

und für die, die mich oder uns beherbergt haben,

und für die Menschen, die ich unterwegs getroffen habe.

Ich danke Dir für die lieben Menschen, die zu Hause nach Blumen und Briefkasten geschaut haben,

und für alle, die in Gedanken mit mir unterwegs waren.

Ich danke Dir für das gute Wetter mit gerade mal 2 Tagen mit Regenschauern.

Ich danke Dir dafür, dass ich diese Reise ohne grössere Pannen beenden konnte.

Herr Jesus ich bitte Dich,

lass mich wieder gut nach Hause kommen und meinen Weg in Eisenach finden.

Behüte mich und alle Menschen, die während der letzten Wochen für mich da oder in Gedanken bei mir waren.

Amen